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Kultur Allerletztes Aufbrausen um den "Ring"
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16:50 11.03.2018
Brünnhilde (Kirsi Tiihonen, li.) übergibt ihr Pferd Grane (Großfigur von Marc Schnittger) ihrem Liebhaber Siegfried (Bradley Daley). Quelle: Olaf Struck
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Kiel

Generalmusikdirektor Georg Fritzsch überwindet mit ihnen die wagnerfeindlich dröge Akustik, webt kostbar dicht geknüpfte und reich kolorierte Motivteppiche und setzt grandios expressive Höhepunkte. Das vom Premierenpublikum bejubelte Orchester wird zum allwissend wogenden Medium starker Stimmen.

Eindrucksvoller Hagen Taras Shtonda

Allen voran fesselt da der ukrainische Bass Taras Shtonda. Großartig, wie er hier als Finsterling Hagen zur Wacht sitzt, jeden Vokal mit Bedrohung auflädt. Seinem bleckenden Hass steht mit Brünnhilde menschliche Wärme gegenüber. Die finnische Sopranistin Kirsi Tiihonen debütiert glücklich in der Riesenpartie. Was ihr an Beweglichkeit auf der Bühne fehlt, schimmert in Nuancierungen der Stimme. Eindrucksvoll ist auch der hochemotionale Schlagabtausch mit ihrer Schwester Waltraute. Tatia Jibladze lässt sie gewandt und intensiv vor dem Fluch des Rings warnen.

Bühnengestalterin Shiota nicht so prägend

Während das Trio der weisen Nornen ratlos am roten Faden des Weltwissens herumfingert, verdeutlicht die japanische Künstlerin Shiota mit einem herabhängenden Knäuel die allgemeine Verwirrung. Es scheint ihr letzter ästhetisch transparenter Gruß in der Kieler Produktion zu sein. Danach sorgen offenbar Claudia Spielmann (Kostüme) und Anna Myga Kasten (Bühne) für eine handfester gebastelte Zwielichtigkeit am rheinischen Hof der Gibichungen.

Der naive Blick der Regie

Der Regisseur Daniel Karasek hat auch abschließend den Mut, seinen Ring staunend naiv geschehen zu lassen. Seine Nibelungentreue zu Wagners Vorgaben reicht bis hin zu den drohend erhobenen Armen des mausetoten Helden. Und sie beschert die selten gewagte Begegnung mit Brünnhildes Schlachtross Grane: Eine Großfigur des Puppenmagiers Marc Schnittger scharrt hier mit den Hufen.

Fantasy-Ästhetik und kleine Details

Allzu häufig genügen der vom Premierenpublikum ohne Gegenwehr gefeierten Regie die den Text doppelnden Märchenbilder zwischen Comic-Design und Fantasy-Nebelschwaden. Immerhin gibt es vereinzelt präziser interpretierende Momente, etwa wenn König Gunther (nobel und facettenreich: Tomohiro Takada) sich die Hände im blutigen Komplott Hagens schmutzig macht und der endgültig gescheiterte Gott Wotan tatenlos der Ermordung seines „freien“ Enkels zusehen muss. Der Naturbursche, den Bradley Daley mit plärrender Infantilität und Hemdsärmeligkeit rüstet, dreht hier stimmlich noch auf.

Prinzip Hoffnung: Kitsch mit Kindern

Karasek scheut am Ende vor blankem Kitsch nicht zurück. Wenn Brünnhilde zusätzlich Lunte an ein von Selbstzündern verdieseltes Universum gelegt hat, lässt eine Kinderschar hoffen, dass es schon irgendwie weitergehen wird. Auch Wagner kannte ja diesen Optimismus: Fritzsch und die Philharmoniker machen das im Dur-Brausen der letzten Takte überwältigend deutlich.

www.theater-kiel.de

Vorbericht Götterdämmerung

Von Christian Strehk

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