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Kultur Ausstellung: Fenster zur Landschaft
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08:12 17.10.2015
Von Maren Kruse
Roadmovie durch die Familienerinnerung: Die israelische Künstlerin Jasmine Kainy vor ihrem Video „Avidan“. Quelle: Björn Schaller
Neumünster

Sie nähern sich dem Thema auf unterschiedliche Weise nähern. Zum einen aus alltäglicher Erfahrung, aus persönlichem oder privatem Blickwinkel, wie es der Kurator skizziert, und zum anderen „als Objektivierung dieser Erfahrung, als Inszenierung oder kulturelle Vorstellung von Landschaft“.

Die Teilnehmerliste hat Friede zum Teil hat aus seinem eigenem Netzwerk bestückt; andere Künstler hat er erst für die Ausstellung gewonnen, die bislang an zwei Stationen zu sehen war, aber noch weitere im Ausland vor sich hat. Dabei legt Claus Friede Wert auf unverbrauchte Namen. Viele der eingeladenen Künstler seien in ihren Heimatländern bekannt, ihre Namen hätten hierzulande aber noch kaum einen Klang. Was in diesem Fall kein Nachteil ist, denn der gut einstündige Rundgang, den man für Villa, Pferdestall und Galerie einplanen sollte, entpuppt sich als anregend und für eine reine Videopräsentation – die erste bei Gerisch – als erstaunlich wenig ermüdend.

 Zuweilen auch als sehr berührend. Die israelische Künstlerin Jasmine Kainy zum Beispiel, die auch zur Eröffnung am morgigen Sonntag kommen wird, verwebt in ihrem Video Avidan die Kindheitserinnerungen eines jungen Schriftstellers zu einem Roadmovie der Familienerinnerung. Emotional, aber dennoch ganz unpathetisch sind sie hier zu spüren, die Bande, die sich an die Landschaft knüpfen, die uns Heimat ist.

 Ebenfalls in der Villa hat Friede die Videoinstallation des Schweizers Louis von Adelsheim eingerichtet. Auch er ein Geschichtenerzähler, der ein Gedicht als Ausgangspunkt seiner Arbeit unter dem Titel MeeresGarten nimmt, es aber assoziativer und in formal raffinierter Bildanordnung altarähnlich inszeniert. Durch versetzte Bildebenen, noch dazu hochkant gestellt, gleiten die Bilder von wellenumspülter Felsküste und am Himmel ziehenden Wolken ineinander.

 Faszinierend analog dann die Poesie der französischen Zeichnerin Océane Moussé, die ihre Tusche-Landschaften mit der feinen Spitze des Rapidographen strichelt. Unterlegt mit den Beats des Berliner Elektronikers Henning Specht, clippt sie daraus eine animierende Videoarbeit mit dem Titel Waschmaschinen Inferno.

 Von subjektiven Erzählperspektiven geht es hinüber zu Bildlieferanten mit vergleichsweise distanzierter, kühler Ästhetik. Unter ihnen der inzwischen in Los Angeles erfolgreiche Deutsche Till Nowak, der schneebedeckte norwegische Fjordlandschaft oder den Hamburger Stadtpark gleichermaßen zu Kunstlandschaften gefrieren lässt. Sound und Musik sind für viele Arbeiten unverzichtbarer Bestandteil: wie beim pulsierenden Techno-Ritt durch das vorweihnachtliche Berlin von Fabian Grobe: wunderbar unheimelig! Gut zu verstehen, dass Claus Friede als Schlusspunkt seiner Landschaftsreise das Sonnen-Still der Berliner Gruppe Bauhouse setzt. Denn was wären die Landscapes des kleinen blauen Planeten ohne sie?

 Gerisch-Stiftung, Neumünster, Brachenfelder Str. 69. Eröffnung Sonntag, 12 Uhr. Bis 20. Dezember, Mi-So 11-18 Uhr.

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