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20:48 14.06.2018
Von Konrad Bockemühl
Gelassen in die neue Eutiner Festspielzeit: Interims-Geschäftsführer Falk Herzog, ist zugleich Hauptgesellschafter. Quelle: Konrad Bockemühl
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Eutin

Herr Herzog, Sie sind nicht wirklich von Haus aus Kulturmanager. Wie kommt man als als Besitzer des Gutes Stendorf an die Geschäftsführung der Eutiner Festspiele?

Als Industriekaufmann betreue ich den landwirtschaftlichen Betrieb und weitere Unternehmungen meiner Familie. Daneben bin ich, vor 18 Jahren zugereist, Fan der Festspiele, und von deren Bedeutung für die Region überzeugt. Ich mag diesen klassenlosen, lockeren Charme. Deshalb engagiere ich mich schon lange beim Förderverein. Und 2017 hat mich dann die ehemalige Geschäftsführerin angesprochen...

Sie sind zuvor Hauptgesellschafter geworden, nachdem Sie 2017 die Anteile von der Hamburger Cautus GmbH übernommen haben. Und dann haben Sie nicht nur die Opernscheune, sondern auch die Geschäftsführung übernommen – interimsmäßig, wie sie betonen.

Ja, ich habe nach dem Rückzug von Cautus 52 Prozent der Gesellschafteranteile übernommen. Und weil ich nicht einsteigen wollte, um abzuwickeln, haben wir ein theateraffines Beratungsbüro, Actori aus München, beauftragt, zu untersuchen, wie sich die Festspiele für die Zukunft aufstellen sollen. Da wird umfassend und ergebnisoffen geprüft – auch die Frage, ob sich die Festspiele tatsächlich das ganze Jahr über nicht nur eine hauptamtliche Intendanz, sondern parallel auch noch eine hauptamtliche Geschäftsführung leisten sollten....

Ende August läuft nach sieben Spielzeiten auch der Vertrag der Intendantin Dominique Caron aus.

Das künstlerische Gesicht hat für uns natürliche große Bedeutung. Wir sind in vertrauensvollen Gesprächen. Aber wir wollen mit Blick auf das sehr tiefgehende Actori-Gutachten in der Perspektive frei sein. Und das liegt erst zum Herbst vor. In der Geschäftsführung sehe ich mich auch nicht als Optimalbesetzung, sondern als Interimslösung.

Ist die Konsolidierung geschafft, die Krise an Eutins Grünem Hügel überwunden – nachdem vor acht Jahren noch die Insolvenz drohte?

Buchhalterisch gehen wir trotz eines schwierigen Jahres 2017 erstmals seit Jahren wieder mit schwarzen Zahlen, sogar einer kleinen Rücklage, in die neue Saison. Aber auch die Grundlagen müssen stimmen. So müssen wir perspektivisch an der Substanz arbeiten, mehr professionalisieren statt improvisieren. Und wir müssen uns für mehr, auch externe Veranstaltungen breiter aufstellen.
Sie gehen optimistisch in die neue Saison: Was begründet Ihren Optimismus?

Die Resonanz ist rundum positiv. Die 68. Saison ist bei nunmehr 15000 verkauften Karten gut angelaufen – das sind schon jetzt mehr als in der ganzen Saison 2017 und entspricht einer derzeitigen Auslastung von gut 40 Prozent. Das ist um so besser, zumal bisher erfahrungsgemäß 60 Prozent der Karten während der Spielzeit umgesetzt wurden.

Open Air bringt immer zusätzliche Risiken mit sich... Was, wenn das Wetter nicht so bleibt, wie heute? Kann Eutin noch eine verhagelte Saison verkraften?

Das Risiko ist nicht kalkulierbar, und wir sehen uns als Gesellschafter in der Pflicht. Aber wir bauen darauf, wieder Rücklagen zu bilden, so wie es sie schon früher für Regenfälle gab.

Das Land hat schon mal um 45000 Euro zugebuttert. Wie steht es um Ihre weiteren Förderer? Gibt es eine Vertrauensbasis? Gibt es Neuzugänge?

Angesichts der nicht unproblematischen Vergangenheit ist das ein toller Vertrauensbeweis des Landes, den wir so pauschal gar nicht zu erhoffen gewagt hatten. Gegenüber Kreis und Stadt sehen wir uns erst mal in der Pflicht, Ergebnisse zu liefern. Wir müssen uns für Eutin wichtig machen, dann gewinnen wir auch für die Zuschussgeber an Attraktivität. Klar ist, dass wir im Bereich Sponsoring noch eine Riesenbaustelle haben. Wir haben bei einer relativ hohen Einspielquote relativ geringe Zuschüsse, aber auch eine recht hohe Spendenbereitschaft von Unternehmen und Privatleuten aus der Region. Wichtig ist es, mit Ihnen den richtigen Ton zu pflegen.

Ein paar Zahlen zur neuen Spielzeit?

Derzeit steuert zum 1,45 -Millionen-Euro-Etat das Land 125000, der Kreis 25000 und die Stadt 75000 Euro bei. Den Rest müssen wir durch Kartenerlöse erwirtschaften – dafür kalkulieren wir mit einer Auslastung von 62 Prozent.

Kommen Sie ohne großen Partner aus? Es gab ja mal Ansätze von Kooperationen...

Auch das ist eine der Fragestellungen, die Actori prüft. Ich weiß durchaus, dass mögliche Partner, wie das SHMF, bisher von der Unprofessionalität der Festspiele nicht gerade angetan waren... Kooperationen wären sicher gut und wichtig, aber Eutin darf dabei nicht untergehen. Wir wollen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, nicht gefressen werden, sondern sichtbar sein.

Auch die Eutiner Festspiele haben einen Sanierungsstau zu beklagen: Gibt’s genug Luft im Etat? Die Zuschauertribüne stammt aus dem Jahr 1975...

Ein großes Thema, weil über Jahre auch über ehrenamtlichen Einsatz viel improvisiert wurde: Gerade habe ich als neuer Eigentümer die vor 17 Jahren sanierte Opernscheune grundinstandsetzen lassen. Wir verfügen über ein neues Online-Buchungssystem. Bereits angeschafft haben wir neue Beleuchtungs- und Tontechnik, Mikroports für das Musical, die vom Förderverein gestiftet wurden. Wir bekommen für eine bessere Akustik eine neue regendichte Orchesterplane. Wir wollen die Außengastronomie gemeinsam mit Eutiner Partnern aufwerten und dafür Foyer und Kantine der Opernscheune zugänglich machen. Und die Tribüne, das sagt nicht nur mein Mitgesellschafter, ein Statiker, muss binnen fünf Jahren erneuert werden. Da hat das Land bereits grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, uns mit EU-Fördermitteln zu unterstützen. Wir müssen diesen Prozess in Gang bringen. Denn das Pfund der Festspiele ist ihre Lage, das Umfeld mit See, Park und Schloss.

2017 mit der „Fledermaus“ nur eine Operette, 2018 Verdis Oper „La Traviata“ und „My Fair Lady“ als Musical. Wie ist die richtige Mischung für eine gute Zukunft auf der Freilichtbühne?

Mit nur einer Operette als Neuproduktion werden wir in Anbetracht der Grundkosten sicher nicht wieder arbeiten. Wir streben generell mindestens zwei Produktionen an, eine Kombination wie 2018 etwa aus Oper und Musical. Daneben möchten wir auch kleinere Spielstätten wie die Torhäuser an der Opernscheune, zum Beispiel für Kindertheater, einbeziehen... Die Konkurrenz durch Kieler Sommeroper, Schweriner Schlossfestspiele, das SHMF macht es für uns nicht leichter. Bei alledem wollen wir wie bisher hohe Qualität bieten.

Interview: Konrad Bockemühl

Eutins 68. Saison: Oper, Musical, Gala

Eutiner Festspiele

Die 68. Spielzeit der Eutiner Festspiele (1886 Tribünenplätze) beginnt am 6. Juli mit der Premiere des Musicals „My Fair Lady“ von Frederick Loewe, inszeniert von Nardy Rudolz, musikalisch geleitet von Romely Pfund. Am 20. Juli hat Verdis Oper „La Traviata“ in der Regie von Dominique Caron Premiere. Am Pult: Leo Siberski. Das Musical wird weitere neun Mal auf Eutins „Grünem Hügel“ gespielt, die Oper noch fünf Mal. Das Solistenensemble ist mit Ausnahme des Baritons Manos Kia komplett neu, es spielt wieder die Kammerphilharmonie Lübeck. Der abschließende Galaabend am 31. August mit Hilary Griffith am Pult ist geprägt durch den „Eutiner Sohn“ Carl Maria von Weber und Leonard Bernstein (zum 100.), der im Juli 1988 hier im Schlosspark dirigierte.

Karten: Tel. 04521/80010, in der Eutiner Opernscheune, Alter Bauhof 11, oder online: 
www.eutiner-festspiele.de

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