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Kultur Leuchtendes Martyrium
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18:47 06.02.2019
Der Dirigent Sylvain Cambreling mit den Hamburger Sinfonikern und der Europa Chor Akademie Görlitz im Einsatz für Debussy in der Hamburger Elbphilharmonie. Quelle: Daniel Dittus
Hamburg

Cambreling zwang das anfangs etwas unruhige Publikum zu konzentriertem Zuhören bei diesem duftig-abgeschatteten Parforce-Ritt durch das Martyrium dieses frühchristlichen Tribuns im Solde Roms.

Sinnlicher Debussy

Es ist ein sehr sinnliches Werk, das Debussy auf die ausufernden Verse des Hedonisten Gabriele d‘Annunzio im Paris des Jahres 1911 schuf und das damals mit seiner Kombination aus Sprache, Schauspiel, Tanz sowie Instrumental- und Vokalmusik ein gruselig-ermüdender Flop von 5 Stunden Länge wurde.

Auf 90 Minuten komprimiert

Crambeling ließ diese wirklich unspielbare Urversion vom Schriftsteller Martin Mosebach auf 90 Minuten komprimieren und wies damit Debussys eindringlicher, oft sphärische Musik das Primat gegenüber allzu schwülstiger Metaphorik vergangener Zeiten zu.

Sprecherin aus luftiger Höhe

Die vorzügliche Dörte Lyssewski bot als rahmende Sprecherin aus luftiger Elphi-Höhe das eigentlich minimale Handlungsgerüst, artikulierte vorbildlich ihren neuen (deutschen) Text mit feinsten Nuancierungen und wusste ihren melodramatischen Part dem süffig-gedämpften Instrumentalgewoge prägnant beizumischen. Aber auch ihre drei Gesangskolleginnen (Lauryna Bendziunaite mit strahlender Sopranhöhe, Agata Schmidt und Stine Marie Fischer in kleineren, aber klangschön servierten Mezzopartien) gelang es, diese reizvoll parfümierte Heiligenstory mit melodiösem Zauber zu adeln.

Europa Chor Akademie Görlitz

Dazu die von Joshard Daus erwartungsgemäß bestens präparierten jungen SängerInnen seiner „Europa Chor Akademie Görlitz“, deren Klasse sich in dynamischen Varianten­reichtum, klanglicher Opulenz und unerschütterlicher Intonationsreinheit entfaltete.

Cambreling mit Debussys Klangzauber

Ohne ausholende Zeichengebung, inspirierend in kleinsten Bewegungen gewann der souveräne Mêtre Sylvain Cambreling seinen üppig besetzten Sinfoniker berückend dezent abgemischte Valeurs ab, so dass Debussys mysteriöser Klangzauber die eigentlich fehlende Bühnenwirksamkeit dieses Quasi-Oratoriums glatt vergessen ließ. Viel Jubel für eine prächtige Wiederentdeckung!

Von Detlef Bielefeld

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