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Kultur "Der Hässliche" feiert Premiere in Kiel
Nachrichten Kultur "Der Hässliche" feiert Premiere in Kiel
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11:42 08.09.2018
Von Thomas Richter
vlnr: Michael Nötzel, Gesa Gurski und Per-Ove Thießen auf der Theaterbühne im Hansa 48.  Quelle: Björn Schaller
Kiel

Lette hat den revolutionären Starkstromstecker 2 CK erfunden, allerdings verbietet ihm sein Chef, das technische Meisterwerk bei der nächsten Verkaufsmesse zu präsentieren. Der Schlaukopf ist einfach zu hässlich. Assistent Karlmann soll den Job übernehmen. Da ist für Lette natürlich eine Demütigung, die auch durch die zweifelhaften Aufmunterungen seiner Frau nicht eben gelindert wird. Um sein Gesicht zu waren, sieht Lette sich gezwungen, es zu verlieren. Im wahrsten Sinne. Eine drastische Operation an seinem missratenen Antlitz wird allerdings ein äußerlich durchschlagender Erfolg. Aus der Fratze wird eine Visage, die allen Schönheitsidealen entspricht und Lette dazu verhilft, sowohl auf dem Parkett als auch im Bett zu glänzen. Das wiederum hat Folgen für das Seelenleben des ehemals „Hässlichen.“ Auch weil es andere Herren Lette gleichtun und es in seinem Umfeld zu einer schleichenden Gleichschaltung der Gesichtszüge kommt. Die Auftragsbücher des plastischen Chirurgen jedenfalls sind gut gefüllt...

Entlarvender Witz

Gestützt auf ein wirklich exzellentes Ensemble mit Per-Ove Thießen (Lette), Gesa Gurski (Fanny und Arzthelferin), Michael Nötzel (Chef und Schönheitschirurg), Dirk Wegner-Ulke (Karlmann, Sohn der reichen Dame) und Candance Music (reiche Dame) verlässt sich Regisseur Karl Elbl vor ausverkaufter Kulisse auf den bösen aber so entlarvenden Witz der Vorlage. Ohne zu moralisieren, schöpft er das absurde Potential dieser Farce voll aus, und stößt so den Zuschauer gewissermaßen mit der Nase auf die durchaus ernsthaften und nachdenkenswerten Inhalte des 2007 uraufgeführten Stückes. Es geht um den Narzissmus der modernen Welt, der Eitelkeit, Voyeurismus, Exhibitionismus und ästhetische Normierung in sich vereint. Der Kern des Menschen ist seine Hülle. Schönheit wird zum Pfand für einen Pakt mit dem Teufel.  Dabei ist es ein ausgesprochen kluger Schachzug der Inszenierung, die Verwandlungen der Gesichter ohne Masken, oder sonstige Theatertricks zu zeigen. Denn so entsteht Schönheit wie Hässlichkeit im Auge des Betrachters. Und plötzlich sind wir Teil dieses bizarren Spiels.   

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