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Kultur Hasso Plattner und der Ort der Sehnsucht
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21:23 19.01.2017
Hasso Plattner vor Claude Monets „Seerosen“. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Potsdam

Wenn man sich verliebt, dann ist es oft auch aus dem Grund, dass durch das Gegenüber eine Saite zum Schwingen gebracht wird. Dass man etwas entdeckt, worin man sich wiederentdeckt – gewissermaßen in einen Spiegel blickt. So ähnlich muss es bei Hasso Plattner gewesen sein, als er sich in die Impressionisten verliebte.

Der 72-jährige Stifter des Museums Barberini im Herzen von Potsdam hat sein Vermögen als Software-Pionier gemacht. Heute hat das von ihm mitbegründete Unternehmen SAP im baden-württembergischen Walldorf weltweit über 80 000 Mitarbeiter. Auf die Titelseiten der Feuilletons schafft er es jetzt aber als Kunstkenner und Mäzen. Einer der Schwerpunkte seiner Sammlung ist der Impressionismus – jene Kunstrichtung, die so oft dem Wasser gehuldigt hat: Küsten, weiße Segel, Seerosen und natürlich die Reflexionen des Lichts auf den Wellen.

Ab Montag ist das Barberini regulär für den Publikumsverkehr geöffnet. Quelle: Bernd Gartenschläger

Auch Plattner, der in Karlsruhe Nachrichtentechnik studierte, ist eigentlich ein Kind des Wassers. Aufgewachsen ist er in Berlin-Grunewald. Der Vater war Augenarzt, ursprünglich aus Siebenbürgen. Mit ihm erwanderte er sich die Museen. Viele von ihnen waren noch gezeichnet von den Bombenschäden des Krieges, sodass die Kunstschätze in den Kellern besichtigt werden mussten. Mit dem Vater erkundete er außerdem beim Segeln die Seen- und Flusslandschaft.

Direktorin Ortrud Westheider. Quelle: Friedrich Bungert

Auch viele Impressionisten haben ihre Liebe zum Wasser praktisch ausgelebt. Gustave Caillebotte – von ihm hängt im Barberini unter anderem das Bild „Die Brücke von Argenteuil und die Seine“ – baute in den 1880er-Jahren selbst Segelboote, gründete sogar eine Werft. Plattner spürt offenbar eine Seelenverwandtschaft, wenn er schwärmt: „Niemand hat jemals Wasser so gemalt, keiner kann die Feuchtigkeit in der Luft, sogar den Geruch des Sees und das Glitzern des Lichts so einfangen wie die Impressionisten.“

Der „Jahrhundertschritt“ wurde an Trageseilen über das Dach des Barberini in den Innenhof gehievt. Quelle: Bernd Gartenschläger

Als junger Mann segelte er mit seinem Vater oft, bis sie in Sichtweite der Glienicker Brücke kamen – damals noch eines der Symbole der deutsch-deutschen Teilung. Schon zu dieser Zeit habe ihn die ebenso nahe wie ferne Stadt fasziniert: „Potsdam war ein bisschen der Ort der Sehnsucht“, erinnert er sich. Doch zum Museumsstandort hat sich Plattner die Stadt nicht nur auserkoren, weil sie „eine Insel mit viel Wasser drumherum“ ist. Auch sein Gerechtigkeitssinn dürfte dabei eine Rolle spielen, schließlich seien die Menschen in der Ex-DDR im wiedervereinigten Deutschland schlechter weggekommen. „Über die Kunst sind wir hinweggewalzt und die Firmen sind den Bürgern ein zweites Mal weggenommen worden.“ Das erste Mal waren es die Zwangsenteignungen in den 1970er Jahren, erläutert Plattner.

Wasserlandschaften zählten zu den beliebtesten Sujets im Impressionismus. Quelle: Bernd Gartenschläger

Mit der DDR kennt sich der SAP-Unternehmensgründer aus. Zuerst war dieses Wissen eher dem regelmäßigen Ost-Fernsehkonsum zu verdanken. „Die besten Jahre des russischen Eishockeyteams“ hat Plattner auf der Mattscheibe mitverfolgt. 1988 dann der erste Potsdam-Besuch. Die Zuneigung ist stetig gewachsen. Davon zeugen das Hasso-Plattner-Institut als wichtige Potsdamer Forschungseinrichtung und die Millionenspenden, von denen der neue Landtag im Gewand des alten Stadtschlosses profitiert hat.

Alte Ansicht des Barberini. Quelle: Sigurd Kühn

Zum Sammler wurde der SAP-Gründer, als er Aktien für den Börsengang zur Verfügung stellte. Das Geld floss auch in Kunst. 1972 kaufte er sein erstes Ölbild. Bislang hat er noch nie eines der Kunstwerke veräußert. Am Anfang hängte er die Werke an diversen Orten auf; manche bei SAP, andere im Golfclub. Irgendwann riet ihm seine Galeristin, ein Museum zu gründen. Mindestens 20 Jahre ist diese Idee alt. Jetzt ist sie zur Realität aus sächsischem Sandstein geworden, erbaut vom Architekten Thomas Albrecht.

Plattner sammelt nicht nur Impressionisten, sondern auch DDR-Kunst und andere Epochen. Die Entscheidung zum Kauf falle oft innerhalb von fünf Sekunden, hat er einmal dieses Bauchgefühl beschrieben. Manchmal wird er verwundert gefragt, warum er sein Museum in Potsdam gebaut habe – und nicht in Berlin? Die Antwort des Stifters kommt dann aus tiefem wahlpatriotischem Herzen und klingt fast empört: „Potsdam ist kein Vorort von Berlin, sondern hat seine eigene Bedeutung.“ Die Liebe zur Landeshauptstadt wird heute mit der Ehrenbürgerschaft belohnt.

Von Ildiko Röd

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