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Kultur „Wir wollen das Thema präsent machen“
Nachrichten Kultur „Wir wollen das Thema präsent machen“
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19:56 25.11.2018
Von Konrad Bockemühl
Einsatz für die Konzertsaal-Sanierung: Fördervereinsvorsitzender Hendrik Murmann, geschäftsführender Gesellschafter der J.P. Sauer & Sohn Maschinenbau GmbH in Friedrichsort, ist auch Vorsitzender des Unternehmensverbandes Kiel. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Herr Murmann, gehen Sie gerne in Konzerte? Was hören Sie besonders gern?

Hendrik Murmann: Ja, ich habe meine Liebe zum sinfonischen Live-Erlebnis wiederentdeckt, weil es einfach so viel schöner ist als im Radio. Das SHMF hat mir mit Anna Netrebko, Christoph Eschenbach aber auch Al Jarreau prägende Erlebnisse beschert. Das war oft nicht in Kiel, aber mit Lüftung wäre das hier auch schön...

Wie erleben Sie denn den Kieler Konzertsaal im Schloss?

In zwei Funktionen, nämlich als Konzertsaal wie auch als Versammlungsort, etwa bei den großen IHK-Empfängen. In letzter Zeit habe ich genauer hingesehen und da fiel mir eine gewisse Ästhetik auf, die das Gebäude ausstrahlt. Das hatte 1965 auch etwas Aufbruchartiges. So früh schon wurde das Weinbergprinzip im Konzertsaal umgesetzt: So dicht am Geschehen zu sitzen, das hat seinen Reiz, auch wenn die Stühle knatschen und die Luft oft dick ist.

Was hat Sie bewogen, den Vorsitz des „Fördervereins Konzertsaal am Kieler Schloss“ zu übernehmen?

Man hat mich überredet, aber das war auch so schwer nicht, schließlich hat sich meine Familie immer schon gesellschaftlich engagiert. So bin ich derzeit auch Vorsitzender des Unternehmensverbandes Kiel. Natürlich hatte man mich auch als potenziellen Geldgeber im Sinn. Den Scherenschnitt „Kiel goes Elphi“, den ich ersteigert habe, werden wir zur Wiedereröffnung im Schloss aufhängen. Es war toll, dass die ganze Spendenkampagne mit Kunst begonnen hat – auch wenn die Auktion gern etwas lebhafter hätte verlaufen können.

Wie bewerten Sie die aktuellen Perspektiven der Sanierung und die große Lösung mit dem Erwerb des kompletten Schlossareals?

Wir hocken ja schon seit einigen Jahren in den Startlöchern. Nun ist alles auf gutem Weg, belegt durch Vereinbarung mit dem Land und den Notartermin. Alle Ratsfraktionen haben sich dafür ins Zeug gelegt, weil sie wohl erkannt – oder wir ihnen deutlich gemacht – haben , dass es keine Alternative gibt. Der ganzheitliche Erwerb ist sicher auch im Sinne der Stadt. Dieses Areal wird nie nichts wert sein. Über Nutzungsmöglichkeiten wird jetzt viel diskutiert, den Ansatz eines Kongresszentrums verstehe ich gut. Aber das ist Zukunftsmusik. Vorerst geht es um Erwerb, Weiterbetrieb und Sanierung des Konzertsaales. Es ist wahnsinnig eilig. Der Boom in der Bauwirtschaft birgt viele finanzielle Risiken. Es wurde so lange nichts gemacht an dem Saal.

Wieviel wird Ihr Verein bis zur Wiedereröffnung zu den bislang auf rund 24,5 Millionen Euro Gesamtkosten beigesteuert haben?

Unser realistisches Ziel ist es, bis zu vier Millionen Euro zu sammeln. Das ist eine große Herausforderung – wenn wir’s übertreffen können, um so besser. Aber wir sind nach dem Aufschlag der Förde Sparkasse darauf angewiesen, dass wir noch viele Großspender finden und begeistern können. Da werfen wir uns rein. Und wir freuen uns, dass es schon ein paar Signale gibt und dass auch schon einzelne Initiativen uns ansprechen, die etwas für unsere Sache auf die Beine stellen wollen, bis hin zum Mitmachkonzert einer Kita. Wir müssen mit allen Kulturbegeisterten in Kiel rechnen können, und dafür brauchen wir auch die Theater- und die Musikfreunde. Mit Rückhalt von Stadt und Land setzen wir auf viele Schultern und vielfältige Hilfe.

Und wieviel haben Sie bis jetzt zusammen?

Rund 1,2 Millionen Euro, im wesentlichen durch die Million der Förde-Sparkasse und das Benefizkonzert in der Elbphilharmonie. Nun hoffen wir noch auf einen regen Benefiz-CD-Verkauf und vielleicht manche Aktion im Vorweihnachtsgeschäft. Ja, ich sehe mich schon mit der Sammeldose über den Weihnachtsmarkt laufen...

Wie wollen Sie die Menschen zum Spenden bewegen?

Es wird sicher ein Stuhlsponsoring geben, damit sich Spender auch – dezent, da haben wir uns in der Elbphilharmonie schlau gemacht – wiederfinden können, Fundraising-Dinner zeichnen sich ab. Wir wollen das Thema präsent machen. Wichtig wird die direkte Ansprache potenzieller Großspender sein. Da ist mein Stellvertreter Georg Fritzsch ganz groß drin. Wir haben eine Teilzeitstelle für die Geschäftsführung unseres Vereins eingerichtet. Da ist nun eine Mitarbeiterin, die zentral koordiniert und abarbeitet, die für den Informationsfluss sorgt, Flyer entwickelt und die Homepage pflegt. Die Stelle ist gesponsert, die Sparkasse stellt einen Raum. Meine Lieblingsidee wäre es freilich, dass dafür bald ein Zimmerchen im Schloss bereit stünde.

Wenn die Sanierung dann läuft, man hofft ja ab Herbst 2020, muss eine alternativer Konzertsaal für sicherlich zwei Jahre gefunden sein. Welche Ideen gibt es für das Interim?

Da sind wir noch weit entfernt von einem richtigen, finanzierbaren Lösungsansatz. Wir werden wohl einen Konzertsaal auf Wanderschaft haben, dabei auf außergewöhnliche Orte setzen – vielleicht eine Flugzeug- oder auch Werfthalle, oder mal das Sparkassenfoyer. Da ist bei bestehenden geeigneten Orten Kreativität gefragt. In dieser Zeit muss das interessante Erlebnis vor einer optimalen Akustik im Vordergrund stehen. Wir können da vom SHMF lernen und müssen genau hinschauen, wo man mal was machen könnte. Für dieses Phase müssen wir pragmatisch mit den Möglichkeiten umgehen, die wir haben. Die rechtzeitige Sanierung des Konzertsaales, bis 2023, steht bei alledem im Vordergrund.

Was möchten Sie dann gerne im Wiedereröffnungskonzert erleben?

Nun, ich würde mir eine zweite Inszenierung des Elphi-Konzertes mit Strauss’ Alpensinfonie im Schloss wünschen, wenn wir am Gipfel angekommen sind. – gerne mit Georg Fritzsch, auch wenn er dann nicht mehr als GMD amtiert. Und unbedingt mit guter Luft im Saal!

Hier können Sie spenden: Spenden über den Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e.V.: Bankverbindung: Förde Sparkasse, Konto: 1003062559, IBAN: DE19 2105 0170 1003 0625 59, BIC: NOLADE21KIE oder auf der Homepage

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