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Kultur Hinter jeder Geste ein Wort
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00:00 21.03.2013
Von Sabine Tholund
Choreografen unter sich: Natalia Horecna und Yaroslav Ivanenko im Ballettsaal der Kieler Oper. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

„Wenn man einen Gast einlädt, dem man völlige Freiheit einräumt, dann ist das schon ein Experiment“, sagt Ivanenko. Natalia Horecna kennt er aus Hamburger Zeiten, wo sie als Solistin in der Kompanie von John Neumeier tanzte. Nach Engagements unter anderem beim Nederlands Dans Theater arbeitet sie seit 2012 als freie Choreografin und konzipierte unter anderem das erste Stück für das neue Bundesjugendballett in Hamburg, von dessen Aufführung Ivanenko begeistert war: „Natalia ist sehr phantasievoll, emotional und sehr ernst. Ihre Ideen sind unglaublich kraftvoll und inspirierend.“

 In Kiel wird die Slowakin den ersten Teil des neuen Ballettabends gestalten. Vor der Tür nennt sie ihr Stück. Es erzählt von einer Familientragödie, in der ein Kind miterlebt, wie die Mutter durch die Hand des Vaters stirbt. „Es ist ein sehr komplexes Ballett, in dem die Gefühle nicht hinter verschlossener Tür versteckt werden sollen. Es geht um die Zerstörung der Schönheit und um die Schönheit der Zerstörung“, so die 36-Jährige. „Ich frage mich in diesem Stück: Wie gehe ich mit Gewalt um und was passiert nach dem Leben?“ Dem dramatischen Auftakt folgt ein meditativer Abschluss, in dem die Seelen der Protagonisten ihre Ruhe finden.

 Für die Kompanie ist die Zusammenarbeit mit Horecna, die vorzugsweise mit der minimalistische Musik von Terry Riley arbeitet, eine Herausforderung. Denn obwohl die Bewegungssprache der Choreografin ähnlich wie bei Ivanenko auf den Techniken des klassischen Balletts basiert, legt sie zudem großen Wert auf emotionale Wahrhaftigkeit. Hinter jeder Geste stehe ein Wort, hinter jeder Bewegung ein Satz – daraus erwächst die Geschichte. „Ich sehe die Tänzer nicht nur als Tänzer, sondern als normale Menschen, die schreien, weinen oder lachen. Sie müssen diese Gefühle nicht nur zeigen, sondern auch nachempfinden und ich gebe nicht nach, bis ihnen das gelingt.“ Für die junge Kompanie sei es nicht immer leicht, sich derart zu entblößen, „doch sie machen es einfach perfekt.“

 Yaroslav Ivanenko sieht für die Tänzer durch die Zusammenarbeit mit Natalia Horecna eine „tolle Chance“, sich weiterzuentwickeln. „Sie sind hungrig, etwas zu lernen.“ Mit seinem Stück Auf dem Wasser sorgt er für ein Kontrastprogramm. Inspiriert vom Ausblick aus seinem Bürofenster auf das maritime Treiben auf der Förde, präsentiert er eine leichte, heitere Szenenfolge, die wie seine Musikauswahl viel mit Wasser zu tun hat. Einige Bilder hat er gemeinsam mit den Tänzern entwickelt. „Es ist ein Stück für Kiel – atmosphärisch das genaue Gegenteil zum ersten Teil des Abends“, so der Ballettchef und verspricht: „Wir werden das Publikum emotional durchschütteln.“

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