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Hommage an das Saxofon: Norddeutsche Sinfonietta

15. Rotary Benefizkonzert Hommage an das Saxofon: Norddeutsche Sinfonietta

Unter dem Motto „Le Sax“ feierte die Norddeutsche Sinfonietta (Leitung: Christian Gayed) beim 15. Rotary Benefizkonzert in der Petruskirche das Instrument, seinen Schöpfer und – den blutjungen Flensburger Saxofonisten und Komponisten Fynn Jannis Großmann mit der Uraufführung seines Saxofonkonzerts Band des Orion.

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Die Norddeutsche Sinfonietta unter Christian Gayed mit Fynn Großmann (Saxophon).

Quelle: Boekhoff

Kiel. Als „das klagende Heulen des Windes in den Zweigen, aber auch von priesterlichem Ton“ lobte Hector Berlioz das seinerzeit neuartige Saxofon. Andere verglichen dessen Klangfarbenvielfalt und Ausdruckskraft mit jener der menschlichen Stimme. In diesem Jahr jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag seines Erfinders, Adolphe Sax.

Doch bleiben wir wie das von Selke Harten-Strehk moderierte Konzert chronologisch. An dessen Anfang stand eines der ersten Werke, in der das Saxofon eingesetzt wurde: George Bizets Theatermusik zu Alphonse Daudets „L’Arlésienne“. Meldet sich das Saxofon im „Prelude“ mit jenem majestätisch klagenden Gestus zu Wort, den ihm Berlioz attestiert hatte, entfaltet es im „Minuetto“ die swingende Eleganz, die es rund 70 Jahre später zum wichtigsten Instrument des Jazz machen sollte. Zeitsprung: Bei Jerome Kerns Swing-Klassiker „All The Things You Are“ (1939) parlieren Alt- und Tenorsaxofon, gespielt von Urban und Großmann, so frech-vertraut wie ein Liebespaar im verflixten siebten Jahr, um bei Phil Collins’ „Against All Odds“ im Easy Listening heutig unverbindlicher Lounges zu landen. Pop meets Classic – inzwischen auch schon eine olle Kamelle – aber doch so juchzend bis schluchzend jung wie ehedem, wenn die Sinfonietta beides kammermusikalisch-sinfonisch verbindet.

 Darius Milhaud hingegen lässt das Saxofon in seiner vom Jazz inspirierten Ballettmusik „La Création du Monde“ (1923) gegen den Strich kratzbürsten. Rocia Osorio und David Espinosa Angel tanzen dazu einen Pas de deux, der in manchem an Strawinskys „Sacre“ erinnert. Apropos Erinnerung, heftige Gefühle: Beides verarbeitet Großmann in seinem „Band des Orion“. Schon der Titel ist ein Wortspiel, das Bänder zwischen locker swingendem Bigband-Sound und großem „Star Wars“-Pathos knüpft. John Williams wie Gustav Holsts „The Planets“ stehen Pate, wenn Großmann in drei Sätzen die Gürtelsterne des antiken Großwildjägers Orion mit dem Saxofon sturm-und-drängend besingt. Für einen 21-Jährigen ist das gut 30-minütige Konzert gewiss ein außergewöhnlich großer Wurf, dem Rezensenten sind es oft zu viele der allzu eingängigen Noten.

 Dass wir von Fynn Großmann, seinem virtuosen Saxofonspiel und seinen Saxofonsternbeobachtungen in Zukunft noch viel mehr hören werden, deutet sich indes schon an. Denn nicht nur ein seinerzeit junges Instrument galt es zu feiern, auch einen heute noch jugendlichen Komponisten, der einst John Zorn, Zappa und Co. „die Kanne“, wie Jazzer das „Sax“ zärtlich nennen, wird reichen können.

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