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Kultur Altern und andere Phänomene des Alltags
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12:01 28.11.2018
Von Thomas Bunjes
Charakteristisch in Gestik, Mimik und in seinem roten Hemd: Horst Evers im Kieler Metro-Kino. Quelle: mwe: Manuel Weber
Kiel

Eine der seltenen, gleichwohl stets wohlgezielten politischen Spitzen des Berliners, der sich wie kein zweiter hierzulande darauf versteht, Alltäglichkeiten innerhalb kurzer Zeit von banal in bizarr zu verwandeln. Mit Vorliebe aus der Opferperspektive, entwaffnend selbstironisch, mit sparsamen, charakteristischen Gesten, kulleräugig staunend. Denn momentan habe er das Gefühl, er habe den Faden verloren angesichts all der Wahnsinnigen weltweit. Da scheine ein Wettbewerb zu laufen, „wer wählt den größten Idioten“. Gerade habe Brasilien noch mal vorgelegt. „Mal sehen, wie lange die Führung hält.“

Durchaus der sportliche Typ

Auch wenn man es nicht glaube, er sei durchaus der sportliche Typ, versichert Evers. Nur sein Körper zeige sich meist müde. Trotzig. Sitze da leider am längeren Hebel. Ideal sei daher für ihn die Trendsportart „Ultimate Surfing“. Ganz normales Windsurfing sei das, nur ohne Segel, Brett und Wasser: Man stelle sich nur so in den Wind, „der reine Sport“. Gehe sogar zu Hause: „Zwei Fenster auf – zack! – Sport! Ganz feiner Sport!“ Gelte nicht, habe seine Ärztin gesagt. Dann eben Rennrodeln, anerkannte olympische Disziplin, bei der man sich möglichst wenig bewegen dürfe und das auch noch bergab. Allerdings verzichtete Evers dann aus ästhetischen Gründen auf den möglichen Olympiasieg – „dieser Anzug“.

Aus Schlachterei und Gaststätte

Auch merkantile Erfolgsmodelle sind Evers begegnet. In einer Schlachterei habe er ein Schild entdeckt, das „veganfreie Wurst“ anbot, Folge: dreimal so viel Umsatz wie bei der normalen Wurst. In Nienburg gebe es in Friedhofsnähe ein Restaurant namens „Radieschen von oben“, betrieben von zwei Vietnamesen, das statt einer Pilz- eine „Pils“-Pfanne anbiete. Werde fleißig bestellt, damit die Betreiber dezent auf den Fehler hingewiesen werden können. Das Gericht, tatsächlich eine Pfanne voller Bier, heiße deswegen gaststätten-intern auch „Klugscheißerpfanne“.

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