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Kultur Sind Sie ein Chamäleon, Devid Striesow?
Nachrichten Kultur Sind Sie ein Chamäleon, Devid Striesow?
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15:01 24.06.2018
Der Schauspieler Devid Striesow, aufgenommen am 23.01.2017 im Literaturhaus in München (Bayern) beim Filmbrunch des Bayerischen Rundfunks. Schauspieler, Regisseure und Programmverantwortliche stellen ausgewählte Produktionen des Bayerischen Rundfunks vor. Foto: Tobias Hase/dpa | Verwendung weltweit Devid Striesow Quelle: dpa

Herr Striesow, es ist gar nicht so einfach, einen Termin mit Ihnen zu finden: Was beschäftigt Sie gerade so sehr?

Eine große Hörbuchproduktion, es geht um Karl May und seine Reise in den Orient. Gerade komme ich nach acht Stunden raus aus dem Studio, ein ziemlicher Ritt. Außerdem bereite ich meinen neuen Kinofilm “Alfons Zitterbacke“ mit Alexandra Maria Lara vor, und auch die Premiere meines aktuellen Films “Die Wunderübung“ steht an.

Sind Sie ein Workaholic?

Nein. Aber wenn mir schöne Sachen angeboten werden, setze ich sie nach Möglichkeit um. Ich habe aber auch ein Privatleben.

Ihr aktueller Film “Die Wunderübung“ handelt von einem Paar mit Beziehungsproblemen: Hätten Sie für so etwas überhaupt Zeit?

Nicht mehr und nicht weniger als jeder andere.

In der Komödie begibt sich ein schwer zerstrittenes Paar zum Therapeuten. Eine gute Idee?

Also ich persönlich bin nun nicht der Therapeuten-Typ. Ich gehe nicht gern wohin und hole mir Hilfe. Ich kann Ihnen aber garantierten, dass sich mancher Zuschauer in dieser Komödie wiedererkennen wird.

Sind Sie Ihren Mitmenschen nach Drehschluss etwas vorsichtiger begegnet?

Erst einmal war ich komplett leer, weil meine Filmpartnerin Aglaia Szyszkowitz und ich uns vor der Kamera all diese Dinge um die Ohren gehauen haben. Da hat man keine Lust auf Reibung irgendeiner Art. Ich war froh, aufs Motorrad zu steigen und den Abend in Harmonie zu Hause zu verbringen.

Welche Wunderübung empfehlen Sie denn ganz persönlich bei Beziehungsproblemen?

Da kann ich leider keinen Erfahrungsschatz vorweisen. Bei Stress jeglicher Art empfehle ich aber auf jeden Fall körperliche Betätigung, ganz egal ob Laufen, Radfahren oder Yoga.

Moment, hat nicht jeder ab einem gewissen Alter Erfahrung mit Paarproblemen?

Die wichtigste Aufgabe in einer Beziehung ist es meiner Ansicht nach, darauf zu achten, dass die Spannung zwischen den Partnern erhalten bleibt. Gerade bin ich bei meiner Karl-May-Hörbuchproduktion auf eine Zeile gestoßen. Da hieß es sinngemäß: Die Liebe ist wie ein reißender Fluss, der durch Stromschnellen wirbelt, um dann irgendwann in einem breiten Bett gemächlich zu fließen.

Die Liebe ist wie ein reißender Fluss: Devid Striesow mit Aglaia Szyszkowitz in “Die Wunderübung“ Quelle: NFP

Klingt doch auch irgendwie beruhigend.

Finden Sie wirklich? Ich finde das beängstigend, weil ich immer hoffe, dass der Strom der Liebe sich nie beruhigt. Das große Missverständnis bei längeren Beziehungen beruht meiner Ansicht nach darauf, dass man glaubt, einander zu kennen. Aber man kennt den anderen genauso wenig voll und ganz, wie man sich selbst kennt. In einer Beziehung gilt es deshalb, immer wieder neue Persönlichkeitsfacetten zu entdecken.

Gelingt das denn?

Einfach ist es nicht, zumal ja immer noch ganz andere Verspannungen im Leben dazukommen. Und da denkt mancher: In eine Partnerschaft möchte ich mich fallen lassen. Aber das führt eben auch zu Spannungsverlust.

War das jetzt ein Plädoyer gegen Routine?

Ja – gegen Routine generell.

Ursprünglich wollten Sie gar nicht Schauspieler werden. Wieso nicht?

Ich hatte eine Ausbildung zum Goldschmied geplant. Bestimmt ein toller Beruf, aber für mich wäre es wohl nicht der richtige gewesen.

Wann haben Sie sich für die Schauspielerei entschieden?

Bis zur Bewerbung an der Schauspielschule hatte ich mich nicht groß damit auseinandergesetzt. Ich hatte Musik studiert – und mache für den Deutschlandfunk immer noch die Sendung “Klassisch drastisch“.

Plätze an Schauspielschulen sind rar: Wie oft mussten Sie sich bewerben?

Nur einmal, an der Ernst-Busch-Schule in Berlin.

Wann begannen Sie zu ahnen, dass Ihr Abschlussjahrgang 1999 so einschlagen würde?

Wir sind zu einer Zeit ins Berufsleben eingestiegen, als sich viel veränderte. Zum Beispiel machte die Baracke am Deutschen Theater mit Thomas Ostermeier Furore, von da ging es für einige weiter zur neu gegründeten Schaubühne. Ich habe als freier Schauspieler gearbeitet. Nina Hoss, Lars Eidinger, Mark Waschke, Maria Simon, Fritzi Haberlandt: Jeder von uns hat seinen Weg gefunden, wir haben uns aber ein wenig aus den Augen verloren.

Ist Ihre Ostbiografie für Sie wichtig?

Daran denke ich wirklich selten.

Devid Striesow bei den Dreharbeiten zum Kinofilm "Ich bin dann mal weg" am in Berlin-Spandau. Verfilmt wird der gleichnamige Bestseller des Entertainers Kerkeling. Quelle: dpa

Würden Sie den Begriff Chamäleon für sich gelten lassen?

Fragen Sie die Zuschauer! Zumindest hatte ich die Möglichkeit, ganz verschiedene Sachen auszuprobieren. Die dauernde Veränderung macht ja gerade den Reiz der Schauspielerei aus.

Ihr Einsatz ist hoch: Für Ihren “Luther“-Film haben Sie sich tüchtig Kilos angefuttert: Ist das auf Dauer durchzuhalten?

Ich muss Ihnen ehrlich sagen, mit fortschreitendem Alter wird es schwer, Stoffwechselprozesse so elegant hinzukriegen, dass man hinterher wieder abnimmt. Ich möchte so etwas künftig nicht übertreiben.

Kaum ein anderer verkörpert so charmante Sadisten wie Sie. Was zeichnet einen Bösewicht mit Niveau aus?

Die Ambivalenz eines Kinocharakters ist das Spannende, also jene Seite, die man nicht von ihm erwarten würde. Nehmen Sie Hannibal Lecter: Der ist nicht nur Serienkiller, sondern führt brillante Unterhaltungen mit der FBI-Agentin. Zeitweilig ist er eine Identifikationsfigur.

Sind Sie so auch an Ihre SS-Rolle in dem Drama “Die Fälscher“ herangegangen, das davon erzählt, wie KZ-Insassen Devisen fälschen mussten?

Den SS-Sturmbannführer, den ich spiele, hat es gegeben. Er hat wirklich Zigaretten verteilt und klassische Musik aus Lautsprechern abgespielt. Ich musste mir nichts aus den Fingern saugen – das machte diesen Mann so erschreckend.

Was haben Sie in der Nacht der Nächte gemacht, als der Film den Oscar gewann?

Ich hatte Theaterpremiere in Münster. Danach bin ich ins Auto gestiegen und nach Berlin gerast, um morgens um 5 Uhr den Flieger auf einen anderen Kontinent zu kriegen.

Wollten Sie nach Los Angeles?

Nee, das Team feierte schon, als ich im Taxi zum Flughafen die Nachricht vom Oscar bekam. Ich war auf dem Weg zu einer Produktion nach Südafrika.

Wie sehr reizt Sie das internationale Kino?

Ich fühle mich sehr wohl dabei, mich in meiner Muttersprache auszudrücken. Zum Beispiel freue ich mich, wenn ein ZDF-Sonnabendfilm wie “Schwartz & Schwartz“ so gut ankommt, dass im Herbst nun schon der zweite Teil gedreht werden soll. Es macht Spaß, eine Figur über mehrere Folgen zu entwickeln.

Ihr Saarbrücker “Tatort“-Kommissar bot doch genau dieses Entwicklungspotenzial: Warum sind Sie ausgestiegen?

Wir haben immer nur einen “Tatort“ pro Jahr gedreht. Und ich hatte viele andere Projekte. Das war für alle schwer einzutakten.

Mit dem Job hätten Sie alt werden können.

Sehen Sie: Und da sind wir wieder bei der Routine, die ich so gar nicht mag.

Der Ermittlerteam des saarländischen “Tatorts“, Elisabeth Brück (Kommissarin Lisa Marx) und Devid Striesow (Kommissar Jens Stellbrink). Quelle: dpa

Zur Person: Devid Striesow

Seine Filmografie ist lang, unendlich lang für einen gerade einmal 44-jährigen Schauspieler. Es gab eine Zeit, da war Devid Striesow mit mehreren Filmdrehs gleichzeitig beschäftigt und hetzte an einem Tag von einem Set zum nächsten – am Abend stand er dann noch am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg oder am Düsseldorfer Schauspielhaus auf der Theaterbühne, um für seinen Lieblingsregisseur Jürgen Gosch den “Hamlet“ oder den “Prinz von Homburg“ zu geben.

Allein im Jahr 2006 drehte Devid Striesow zwölf Filme, Fernsehen wie Kino durcheinander, er macht da keine Unterscheidung. Das Besondere in diesem Fall: Gleich zwei Filme schafften es im Jahr darauf in den Berlinale-Wettbewerb.

In Stefan Ruzowitzkys später mit dem Auslands-Oscar ausgezeichneten Historiendrama “Die Fälscher“ gab er einen gefährlich jovialen SS-Sturmbannführer, der KZ-Häftlinge dazu zwang, Devisen in großem Stil zu fälschen, um damit ausländische Märkte zu fluten. In Christian Petzolds “Yella“ spielte er einen ausgebufften Finanzinvestor – Spezies: menschliche Heuschrecke – der sich auf finanziell in Not geratene Firmen spezialisiert hatte.

Striesow kann eben alles, er lässt sich auf keinen Typus festlegen. Doch sind viele seiner Rollen von einer irritierenden Freundlichkeit umweht. Ein Part ganz besonders: Als ausgebrannter Showmaster Hape Kerkeling pilgerte Striesow in “Ich bin dann mal weg“ (2015) auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela im spanischen Galicien.

Womöglich hat Striesows Schaffensdrang auch damit zu tun, dass er erst relativ spät zur Schauspielerei kam – auch wenn er es inzwischen etwas ruhiger angehen lässt.

Auf der Ostseeinsel Rügen kam Striesow 1973 zur Welt. Die ungewöhnliche Schreibweise seines Vornamens mit “e“ statt “a“ hat er seinen atheistischen Eltern zu verdanken, die sicherstellen wollten, dass ihr Sohn dem biblischen David nicht zu nahe kommt. Der Sohn eines Elektrikers und einer Kinderkrankenschwester wuchs in Rostock auf. In Berlin wollte er sich zum Goldschmied ausbilden lassen – dann fiel die Mauer. Striesow entschloss sich, nun doch noch das Abitur zu meistern.

Zunächst studierte er Musik, danach bewarb er sich an der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin. Seinen Abschluss machte er 1999 in einem illustren Jahrgang – zusammen mit Nina Hoss, Lars Eidinger, Mark Waschke, Maria Simon und Fritzi Haberlandt, die es mittlerweile allesamt zu Ruhm gebracht haben.

Sein Kinodebüt gab er im Jahr 2000 in Rainer Kaufmanns Krimi “Kalt ist der Abendhauch“ (nach dem Roman von Ingrid Noll). Fernsehzuschauern ist Striesow bestens bekannt als Assistent Jan Martensen in der kürzlich eingestellten ZDF-Krimiserie “Bella Block“ mit Hannelore Hoger in der Titelrolle.

Im Sonntag-“Tatort“ brachte er es bis zum Kriminalhauptkommissar: Sein Jens Stellbrink düste auf einer roten Vespa durch Saarbrücken (zusammen mit Elisabeth Brück als Kommissarin Lisa Marx), trug eine thailändische Wickelhose und meditierte am Arbeitsplatz – spielte sich aber nie so recht in die Herzen der Zuschauer. Inzwischen hat Striesow auf eigenen Wunsch seinen Abschied als Fernsehkommissar eingereicht.

Vom 28. Juni an ist er in der Komödie “Die Wunderübung“ zu sehen: Er spielt einen Ehemann, der sich mit seiner Frau (Aglaia Szyszkowitz) zu einer Paarberatung durchgerungen hat – es kriselt schwer nach 17 Ehejahren. Ganz fies kann Striesow in dieser Rolle sein, und dann umweht ihn doch wieder diese irritierende Freundlichkeit.

Von Stefan Stosch

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