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Kultur Lyambiko ganz souverän
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00:20 04.03.2015
Von Oliver Stenzel
Ausdrucksstarke Jazz-Größe: Lyambiko im Kieler Kulturforum. Quelle: Manuel Weber

Die Band swingt dezent und unaufgeregt und lässt sich in der ersten Konzerthälfte nicht aus der Ruhe bringen. Gleiches gilt für ihre Namensgeberin, die nach einigen Takten auf die Bühne tritt. Lyambiko ist die Souveräne unter den deutschen Jazzsängerinnen. Für ihren geschmeidigen Zugang zum Genre ist sie regelmäßig und nicht ganz zu Unrecht unter Glätteverdacht gestellt worden. Doch gerade heute, als stimmlich gereifte Mittdreißigerin, verfügt sie über ein Format, das man in der Szene sonst selten antrifft. Im Blindfold-Test würde man ihr geglückte Wahlverwandtschaft zu Kolleginnen wie Dee Dee Bridgewater, Dinah Washington oder auch Amy Winehouse attestieren – keine schlechte Linie.

 Ihre Stimme hat in den vergangenen Jahren an Ausdruck gewonnen, als Sängerin stellt sie sich bewusst in die Tradition, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Jede Phrasierung sitzt und ist bedacht gewählt. Julia Hülsmanns Komposition I Went To Heaven nach einem Gedicht von Emily Dickinson etwa gerät durch diese Herangehensweise zum sensiblen Jazzkunstlied, ohne gefühlsselig zu wirken. In der ersten Konzerthälfte dreht sich die Musik vor allem um Lyambikos neues Album Muse, eine Hommage an bedeutende Frauen der Jazz- und Popwelt. Joni Mitchells quirlig vertextete Version des Mingus-Klassikers Goodbye Pork Pie Hat ist ebenso dabei wie das sanft schwappende Horacio der vergessenen deutschen Jazzpianistin Julia Hipp. Man kann das durchaus nur mit einem Ohr hören und die Musik dann als höheren Barjazz durchgehen lassen. Zoomt man sich allerdings konzentriert heran, gibt es in jedem Stück viele interessante Nuancen zu entdecken. In dem eingestreuten Standard Can’t We Be Friends? entwickelt Lyambiko treffsicher die latente Empörung der Berichtenden, die viele Kolleginnen unterschlagen. Ihre komplex schattierte Version von Besame Mucho lässt einen Weltstar wie Diana Krall ziemlich alt aussehen.

 Dass man bei der gebürtigen Thüringerin allerdings nie auf den Gedanken kommt, es mit einer Diva zu tun zu haben, liegt nach wie vor an ihren Ansagen. Da wirkt sie wie ein junger Spatz auf seiner ersten Tournee, stellt Fragen wie „Geht es euch gut?“ und ergänzt „Das hören wir gerne!“, wenn das Publikum Zustimmung signalisiert.

 In der zweiten Konzerthälfte steigt die Temperatur auch auf der Bühne merklich an. Bei Nina Simones Don’t Let Me Be Misunderstood geraten sowohl Lyambiko wie auch ihre Mitstreiter im positiven Sinne aus dem Häuschen, auch Erykah Badus On & On erfährt hier eine gültige Verwandlung von Soul in Jazz. Den großen Applaus quittiert Lyambiko mit einer ansteckenden Hochgeschwindigkeitsversion von Gershwins I Got Rhythm. Auch diese wirkt unverbraucht und hochlebendig. All das soll ihr erst einmal eine nachmachen.

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