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Kultur Karen Duve teilt aus, wütet, provoziert
Nachrichten Kultur Karen Duve teilt aus, wütet, provoziert
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14:12 08.11.2014
Von Ruth Bender
Karen Duve las im Kulturforum Kiel aus ihrer Streitschrift "Warum die Sache schiefgeht". Quelle: Marco Ehrhard
Kiel

Das Buch-Cover von Warum die Sache schiefgeht zeigt, warum das so ist: Die bekannten drei Affen sieht man da, die weder sehen, hören noch darüber reden wollen. Egal ob Erderwärmung, Antibiotika-Verseuchung durch Massentierhaltung oder Kapitalismuskrise - die Politik, die Bauern, die Wissenschaftler, die Manager: Sie alle wissen Bescheid und lassen es laufen. Kurzfristiger Profit vor Menschheitswohl.

Neu ist das nicht, was Karen Duve aufdröselt; aber so direkt und ungeschminkt liest man es selten. Manager-Tugenden wie Selbstbewusstsein, Einsatzbereitschaft und Risikofreude münzt die Autorin in kriminelle Eigenschaften wie Größenwahn, Gier und Verantwortungslosigkeit um. Die Idee, dass die Führungselite der Wirtschaft zu großen Teilen aus Psychopathen bestehen könnte, lässt sie sich von dem Tübinger Neurobiologen Niels Bierbaumer bestätigen: „Ich bin ziemlich sicher, dass ein erheblicher Teil der Topmanager Psychopathen sind. Aber ich kann es nicht beweisen. Dafür müsste ich sie in den Kernspintomographen stecken.“ Und warum soll man nicht mal aussprechen, dass Frauen schon qua genetischer Disposition die besseren, weil mit mehr sozialer Kompetenz und weniger Neigung zur Gewalt gesegneten Menschen sind? Wie hier Teilchen- und Verhaltensforschung, Gender-Wissenschaft und Klimaskepsis lässig gemixt werden, stört beim Lesen kein bisschen. Im Gespräch auf der Bühne ist das anders. Da scheint ihr Scharfsinn mangels Trennschärfe zwischen Kabarett, Küchenpsychologie und Gesellschaftsanalyse unterzugehen. Trotzdem: Es macht bei aller Schwarzseherei großen Spaß, wie Karen Duve in ihrem Essay austeilt, wie sie wütet und provoziert, manchmal unsachlich bis an den Rand der Pöbelei - und gerade deswegen aufstörend.

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