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Kultur Kebekus mit "PussyNation" in Kiel
Nachrichten Kultur Kebekus mit "PussyNation" in Kiel
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14:09 16.03.2019
Von Thomas Richter
Carolin Kebekus mit ihrem Programm "Pussy Nation" in Kiel. Quelle: ehr - Marco Ehrhardt
Kiel

„Einlass ab 16 Jahre!“, steht auf den Tickets für die aktuelle Tournee von Carolin Kebekus. Wow! Comedy mit Altersbeschränkung. 6500 Ü-16 Fans zeigten sich in der ausverkauften Sparkassenarena jedenfalls restlos begeistert von „PussyNation“ dem aktuellen Programm des hochdekorierten Comedy-Stars.

Zwischen Provokation, Irritation und Information

Einen Kernsatz und gewissermaßen eine Zusammenfassung der Show und ihres Anliegens sagt Kebekus etwa in der Mitte der zweiten Hälfte: „Ich kann hier auf der Bühne stehen und über Gleichberechtigung und Feminismus sprechen und trotzdem zuhause freiwillig und selbstbestimmt einen Schwanz in den Mund nehmen.“ Das Wort das hängenbleibt, ist „Schwanz“. Das Wort, das hängenbleiben sollte, ist „selbstbestimmt“. Zwischen diesen Polen bewegt sich die Künstlerin, hier beweist sie nach dem Erfolg des Vorgänger-Programms „AlphaPussy“  erneut ihr Gespür für Provokation, Irritation und Information. Sie weiß,  Sex zählt und Sex sells, wenigsten spricht sie selber in Bezug auf ihre Bühnenfigur  „von dem Image, das ich verkaufe.“  Aber dabei sind nicht finanzielle Erfolge gemeint. Sex verkauft eben auch Botschaften, weil das Aufmerksamkeitspotential für genitale Merkwürdigkeiten nun einmal ziemlich hoch ist. Dieses Feld lässt sich gut beackern. Aber es kommt sehr drauf an, welche Saat man pflanzt.

In der Enthemmung liegt die Erlösung

Und da beweist sich die Dampfplauderin als Meisterin ihre Fachs. Ihr zuweilen heftig an der Schmerz- und Schamgrenze kratzender Dirty Talk hat am Ende tatsächlich etwas Befreiendes. Nach dem Motto in der Enthemmung liegt die Erlösung, hebt Kebekus den „kleinen Unterschied“ auf eine Metaebene und weiß, dass bei ihrer genüsslich ausformulierten Geschichte vom „Sugaring“, also der ganz offensichtlich nicht ganz so schonenden Schamhaarentfernung mit Zuckerpaste, Männlein und Weiblein gleichermaßen lachen. Die Herren vielleicht etwas mehr errötend als die Damen. Aber Schamhaare haben wir (über 16) schließlich alle. Sowas verbindet. Warum also nicht auch gleiche Löhne, gleiche Bildungschancen, gleiche Rechte? Eine Welt, die sich Kebekus zutiefst wünscht und den Weg dorthin mit schmutzigen Laken pflastert. Und plötzlich erinnert man sich wieder an die Bilder der  #armutistsexistisch-Kampagne, die Kebekus unterstützt, und die kurz vor Showbeginn auf die Bühne projiziert wurden.

Selfiewahn, Selbstoptimierung und Bewertungsapps

Aber Kebekus kann auch anders. Oberhalb der Gürtellinie brilliert sie mit witzigen Anekdoten und nimmt vor allem Internet, Instagram und Co. aufs Korn. Selbstoptimierung und Selfiewahn „Die Mädels machen sich mit Schönheitsfiltern die Augen so groß, dass sie aussehen wie die Gremlins vor der Verwandlung“) stehen ebenso auf der Agenda wie die Absurditäten diverser Bewertungsportale. („Wer bitte bewertet Gießkannen?“). Und dann geht’s doch noch mal ein Stockwerk tiefer.  Sinnvoll sei dagegen eine Bewertungsapp für potentielle Sexualpartner, findet Kebekus.  Kommentare wie „Gewaschen. Schöne Wohnung. Bett frisch bezogen. Nicht besonders einfallsreich aber ausdauernd und zuverlässig. Gutes Frühstück. Gerne wieder! Drei von fünf Sternen“, wären ebenso hilfreich wie die Anmerkung, „Frauen, die Rainer vögelten, vögelten auch ...“

Stehende Ovationen

Für zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung mit einer Vollblut-Komödianten (ja, Menstruationsgeschichten, gab's an diesem Abend auch, sollen hier aber nicht vertieft werden), die  ohne den oft sportiven Einsatz ihrer männlichen Kollegen, nur durch ihre explosive Mimik und enorme Präsenz glänzte, bedankte sich das Publikum mit stehenden Ovationen.

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