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Kultur Adagio-Magie und Fieberkurven
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19:19 11.05.2016
Von Dr. Christian Strehk
Khatia Buniatishvili mit der Kremerata Baltica in der Stadthalle Eckernförde. Quelle: Christian Strehk

Buniatishvili begeisterte mit maximaler Anschlagsdifferenzierung – vom Windspiel-Hauch bis zum metallisch klirrenden Glockenschlag – und hochkonzentrierter Spannungsverdichtung der kleinen Klangsplitter im Valse Boston ihres Landsmanns Giya Kancheli. Eingebettet in das Sirren und Raunen des sensiblen Streichorchesters fesselte sie mit den Erinnerungsfetzen an Schönes und Bedrohliches.

 In Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur schaltete die Pianistin dann am hochwertigen nordostitalienischen Fazioli-Flügel auf einen glasperlenden, am historischen Hammerklavier orientierten Ton um. Flott und gewitzt klangen die Rahmensätze. Mit gefühlvoll ausgesungener Klangrede wurde aber gerade auch der langsame Mittelsatz zum lohnenden Exkurs in Haydns gar nicht so betulich altväterliche, sondern beinahe prophetisch romantische Gedankenwelt. Da schaffen nur wenige Kollegen so viel Adagio-Magie.

 Vor der Pause hatte die Kremerata mit Martynas Stakionis einen litauischen Senkrechtstarter am Pult schalten und walten lassen, der bei Kiels ehemaligem GMD Ulrich Windfuhr in Hamburg studiert. Mit den baltischen Musikern erkundete er geschickt die extremen Fieberkurven in Beethovens wohl emotionalstem Streichquartett f-Moll op. 95. Sogar noch interessanter als Gustav Mahlers Bearbeitung war Olli Mustonens postmodernes zweites Nonett. Wie der höchst eigensinnige finnische Pianist und Komponist da frei von Plagiatsängsten unüberhörbar auf Schuberts berühmtes C-Dur-Quintett oder Richard Strauss’ Capriccio-Sextett zurückblendet oder das Finale à la Tschaikowsky abschnurren lässt, entwickelte bezwingenden Charme.

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