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Kultur Fettes Blues-Brett zum Jubiläum
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11:09 24.02.2018
Von Jörg Meyer
Entspannte Trio-Besetzung aus den Niederlanden: Johnny Clark & The Outlaws. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Der erste Eindruck:

Schweißperlen stehen auf Hörbie Schmidts Stirn, der Mann hat richtig gearbeitet, wie es sich für den Blues gehört. Genauso die Freude über den gelungenen Auftritt: „Die Leute haben gegrölt und mitgesungen, und bei den Soli gab’s Szenenapplaus“, diktiert er dem Rezensenten, der leider erst kurz nach dem Opener der Hörbie Schmidt Band mit Gastsängerin Lili Czuya eintrifft, blues-beseelt ins Notizbuch.

Das Programm:

Dass die Hörbie Schmidt Band 2017 mehrfach preisgekrönt wurde, hallt hier ebenso nach, wie es das Kieler Blues-Jahr hoffnungsvoll eröffnet. Wie das Kieler Blues Festival hat auch die Climax Blues Band aus Großbritannien ein Jubiläum zu feiern. Seit 50 Jahren steht das Sextett, das in den USA, dem Mutterland des Blues, mehrere Chart-Erfolge landen konnte, auf der Bühne. Freilich inzwischen in neuer Besetzung, aber auch nach langer Zeit mit einem neuen Album, dessen Songs wie auch die noch unveröffentlichten richtig fette Blues-Bretter bohren und dabei den Blues innovativ Richtung Rock und Funk weiterentwickeln, ohne die Tradition zu vergessen. Aus den Niederlanden kommen Johnny Clark & The Outlaws an die Förde. Nach einem entspannten Solo in klassischer Trio-Besetzung steigt die US-Multiinstrumentalistin (Geige und Gitarre) und Sängerin Dede Priest ein und gibt dem etwas akademischen Sound eine gehörige Portion schwarzen Blues-Pfeffer bei. Erst weit nach Mitternacht endet das Festival mit dieser beeindruckenden Kollaboration.

Das Publikum ...

... drängt sich dicht in der ausverkauften Räucherei. Zwar sind die meisten etwas älteren Semesters (einige haben tatsächlich alle 20 Kieler Blues Festivals miterlebt, wie sie stolz erzählen), aber kaum minder als die Jugend begeisterungsfähig und gelegentlich auch mal tanzwütig. Aufforderungen zum Mitskandieren der Hooklines, ausgegeben zum Beispiel von Climax-Sänger Graham Dee, folgt es gern, in heller, hoher Lage genauso wie in abgrundtief schwarzer. Nach vier von gut fünf Stunden Blues-Feuer lichten sich die Reihen zwar etwas, aber es gibt noch genug Unermüdliche.

Fazit:

Jubiläen, sei es von kleinen, aber ob ihres exquisiten Line-Ups sogar groß zu nennenden Festivals oder von Bands wie den Climax sind immer auch Wegmarken. Das Kieler Blues Festival schlägt hier auf dem weiten Feld des Blues beachtliche Pflöcke ein. Und das frei von Nostalgie, sondern den Blick voraus gerichtet auf das, was Blues noch alles sein und werden kann.

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