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Kultur Anregen, nicht belehren
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07:00 25.09.2018
Von Sabine Tholund
Ibsen aus neuer Perspektive: Probenszene mit Regisseurin Astrid Großgasteiger (re.) und den Schauspielern (v.li.) Elisabeth Frank, Patricia Windhab und Horst Stenzel. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

In einem wirtschaftlich aufblühenden Kurort ist die Hölle los: Das Wasser, mit dem das örtliche Schwimmbad gespeist wird, soll die Menschen krank machen – jedenfalls behauptet das der Badearzt Dr. Stockmann. Die Honoratioren stehen Kopf, denn Stockmann gefährdet den allgemeinen Wohlstand. Der ganze Ort erhebt sich gegen den Querulanten, der kurzerhand zum Volksfeind erklärt wird.

Aus der Perspektive der Jugendlichen

Die Auseinandersetzung zwischen Stockmann und der Stadtverwaltung wird im Werftparktheater aus der Perspektive von Jugendlichen beleuchtet. Denn auch Stockmanns Kinder leiden unter den Anfeindungen gegen ihren Vater, müssen sich ihre eigene Meinung bilden und im Gespräch mit ihren Freunden Stellung beziehen. „Viele junge Leute sind daran interessiert, ihre Welt zu verändern und mitzugestalten. Oft lassen sie sich dabei leicht auf Menschen mit einfachen Wahrheiten ein“, so Astrid Großgasteiger.

Der Badearzt als politischer Verführer

Die Figur des Arztes kommt in ihrer Inszenierung kontroverser weg als in den meisten Produktionen, die Stockmann als Kämpfer für eine gute Sache zeigen. Großgasteiger sieht ihn eher als politischen Verführer. Zudem stelle sich die Frage, wie viele Kämpfe der Erwachsenen auf Kosten ihrer Kinder geführt werden. „Es ist gar nicht sicher, ob Stockmann mit seiner Vermutung überhaupt Recht hat. Vielleicht will er sich auch nur wichtig machen und handelt aus einem egoistischen Machtgefühl heraus.“

"Das Interessante liegt darunter"

Trotz der perspektivischen Verschiebung ist das Stück „ziemlich nah“ am Original, sagt die Regisseurin. Von Ibsens naturalistischer Herangehensweise hat sie allerdings eher wenig übriggelassen. „Wir gehen an die Grenze des Naturalismus. Dies ist kein Stück über ein Schwimmbad, über das hier so angestrengt diskutiert wird. Das Interessante liegt darunter.“

Junges Theater im Werftpark. Premiere am Dienstag, 25. September, 19 Uhr.

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