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Kultur Trauer um Bildhauer Ben Siebenrock
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09:01 09.05.2018
Von Maren Kruse
Ben Siebenrock in dem von ihm begründeten Steinpark Warder. Quelle: Beater König
Kiel

Um Stilschubladen hat er sich ebenso wenig geschert wie um zeitgeistige Strömungen. Minimal, Konzept oder Konkret – das war seine Sache nicht. Zu verkopft, zu dürr und einfach nicht nah genug am Leben und an den Menschen. Diese Nähe hat Ben Siebenrock immer gesucht.

Unzählige Freunde, Weggefährten und Kollegen trauern um ihn. Bewunderten seine Zuversicht, mit der er trotz seiner Krebsdiagnose vor zehn Jahren sein künstlerisches Werk fortschrieb, Einzelausstellungen und Werkschauen auf den Weg brachte, wie zuletzt im Dietrichsdorfer Bunker D der FH Kiel, in der Rendsburger Christkirche gemeinsam mit Britta Hansen oder im Laboer Freya-Frahm-Haus, wo er eine frische Werkschau aus vier Jahrzehnten inszeniert hatte.

Sein überbordendes Werk, speiste sich aus dem organischen Formenvokabular der Natur, formal reduziert konnte das sein, aber auch überbordend barock. Der 2009 eröffnete Steinpark Warder zählt zu den gewichtigsten Kapiteln seines Lebenswerks und ist eines, das über Siebenrocks Tod hinaus Bestand haben soll. 30 große Skulpturen haben auf dem Gelände auf einem Wiesenhügel vor Gut Seehof in Warder ihren Platz gefunden. Das war nicht zu denken ohne die langjährige freundschaftliche Verbindung mit der Familie Glindemann. Einen der großen Glücksfälle in seiner Karriere nannte der Bildhauer die Symbiose von Landschaft, Kunst und Technik, von der er immer geträumt habe.

Siebenrock, 1951 in Marbach am Neckar geboren, stammt aus kunstsinniger Familie. Mit dem Vater, dem Maler Borromäus Siebenrok, stellte der Bildhauer 2014 noch gemeinsam in einer Kieler Galerie aus. Dessen 1987 in Mönkeberg verstorbene Frau Chris zählte zu den wichtigen Künstlerinnen der Kieler Szene. Ben, der seinem Namen als Steinbildhauer ein kleines „C“ hinzufügte, hatte von 1972 bis 1977 bei Jan Koblasa an der Muthesiusschule studiert, die damals noch Fachhochschule war. Dann zog es ihn weiter zum italienischen Bildhauer Emil Cimiotti an die HBK Braunschweig. Drei Jahre lang arbeitete Siebenrock danach künstlerisch mit Strafgefangenen in Bremen, bevor er sich Mitte der Achtzigerjahre wieder in Kiel niederließ und mit zwei Künstlerkollegen den Langseehof bezog. Sanierungsfall zwar, aber dennoch für Ben Siebenrock eine Idylle, „eine Ideenschmiede“, wie er sagte. Auch wenn zuletzt Verkaufsabsichten der Stadt die Bewohner verunsicherten, die viel Kraft in das baufällige Haus investiert hatten. Mit seiner Kraft wie mit seiner Zeit musste Ben Siebenrock haushalten. Und er nutzte sie in allen künstlerischen Sprachen und Medien, schrieb scharfzüngige und freche Kiel-Kolumnen, Gedichte, brachte Künstlerbücher in kleinen Auflagen heraus, zeichnete, produzierte leuchtend farbige Hinterglasbilder. „Ich kann doch das ganze Jahr über auf Steinen herumkloppen“, sagte er jenen, die sich wunderten, was er mit scheinbar leichter Hand aus dem Hut zog. Er wird fehlen in Kiel.

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