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Kultur Sein Antrieb war das Wagnis
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20:24 10.03.2015
Von Oliver Stenzel
Dannenberg war von 1990 bis 1995 Generalintendant in Kiel und anschließend bis 2004 Intendant der Hamburger Symphoniker. Quelle: Björn Stähler (Archiv)
Kiel

In seinem Lebenslauf pflegte Peter Dannenberg den ungewöhnlichen Unterpunkt „Seitenwechsel“ aufzuführen. Er markierte den Übertritt des ausgewiesenen Musikkritikers auf die andere Seite des Vorhangs, auf die der 1930 in Potsdam geborene Jurist Ende der Siebzigerjahre auf Einladung Christoph von Dohnànyis wechselte. Hier wirkte er fortan zunächst als Chefdramaturg und Leiter der Opera Stabile an der Hamburgischen Staatsoper und danach einige Jahre als Frankfurter Operndirektor, bevor er die Bühnen der Landeshauptstadt Kiel von 1990 bis 1995 als Generalintendant durch eine ihrer fruchtbarsten Phasen führte

 „Ich wollte nicht, dass sich das Leben im Kreis zu drehen beginnt“, antwortete er einmal auf die Frage nach den Gründen für seinem Wechsel von der reflektierenden zur produzierenden Seite des Kulturbetriebs. In ähnlicher Weise schien er auch verhindern zu wollen, dass sich die Theaterbesuche seines Publikums im Kreis zu drehen beginnen, denn gemeinsam mit Generalmusikdirektor Klauspeter Seibel präsentierte er ihm in Kiel die ganze Fülle zeitgenössischer Musik. Claes Fellboms Inszenierung von Korngolds Toter Stadt oder die Uraufführung von Günter Bialas’ Heine-Hommage Aus der Matratzengruft waren nur einige der Produktionen, mit denen das Opernhaus in den Neunzigerjahren weit über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte.

 Es mag auch Peter Dannenbergs journalistischer Vergangenheit zu verdanken sein, dass er es dabei verstand, seine Gäste mitzunehmen, wie er selbst betonte: „Ich habe immer versucht, gemeinsam mit dem Publikum etwas zu wagen, anstatt ihm etwas zuzumuten.“ Unvergessen bleibt sein engagierter, doch leider nicht von Erfolg gekrönter Versuch, die Kieler Philharmoniker in ein A-Orchester zu verwandeln.

 Mitte der Neunzigerjahre wurde er Intendant der Hamburger Symphoniker, ein Amt, das ihn erneut voll ausfüllte – und das er nach beinahe zehn Jahren als fast 75-Jähriger abgab. Im Kieler Kulturleben konnte man Peter Dannenberg weiterhin bei den Premieren und Philharmonischen Konzerten erleben, jetzt in der Rolle des weiterhin leidenschaftlich reflektierenden Gastes, der sich jüngst auch besonders über seine Aufnahme als Ehrenmitglied der Kieler Volksbühne freute. Zu gerne hätte er am vergangenen Wochenende noch die Premiere des Figaro besucht.

 In der Nacht zu Dienstag ist Peter Dannenberg nach langer Krankheit gestorben. Mit großem Bedauern haben nicht nur das Kieler Theater, sondern auch Kulturministerin Anke Sporendonk auf den Verlust einer der prägenden Persönlichkeiten des Kieler Kulturlebens reagiert.ost

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