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Kultur Neues Album der Kieler Band ab Freitag
Nachrichten Kultur Neues Album der Kieler Band ab Freitag
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14:35 24.10.2018
Von Thomas Bunjes
Der Kieler Meteorstrom führt zehn neue Songs mit sich: Leoniden sind (v. li.) Jakob Amr, Lennart Eicke, Djamin Izadi, Felix Eicke und JP Neumann. Quelle: Robin Hinsch
Kiel

In unserem Interview im Dezember 2017 hat Jakob gesagt, ich zitiere: „Wenn das zweite Album nicht besser wird, kommt es nicht raus.“ Offenbar ist es besser geworden.

Jakob: Es ist besser geworden.

Lennart: Ja, ist es.

Was macht es denn besser?

Jakob: Gute Frage. Einmal macht es viel richtig, weil wir unser Ziel erreicht haben, dass die Songs jeder für sich ein Alleinstellungsmerkmal haben und auch mit dem ersten Album nicht so richtig Partner finden. Und die Musikalität, die wir gewonnen haben durch das viele Spielen, haben wir in die Songs gut reinbringen können, sodass sie uns alle ein bisschen reifer und detaillierter vorkommen.

Lennart: Auf dem ersten Album waren ja auch Lieder drauf, die zum Teil schon wirklich alt waren, die wir schon lange mit uns rumgeschleppt haben. Diesmal war das ja wirklich so von null ...

Jakob: ... genau, quasi wirklich zu fünft ..

Lennart: ... bei jedem Lied, was wir angefangen haben zu schreiben, war klar, dass es auf dem Album landet. Das war auf dem anderen Album nicht so. Da hatten wir Lieder lange bevor wir wussten, dass wir die alle mal auf ein Album schmeißen. 

Kommt euch das erste Album also heterogener vor und das zweite jetzt homogener?

Lennart: Nee, gar nicht. Unser höchstes Gütekriterium ist, dass wir versuchen, uns nicht zu wiederholen. Das sind die Fragen, die wir uns bei jeder Strophe, bei jedem Refrain stellen: Haben wir das schon mal irgendwo? Gibt es das von uns in einer besseren Version? Die sind beide ...

Jakob: ... für sich und zueinander heterogen.

Lennart: Ja, finde ich auch.

Jakob: Wahrscheinlich macht es das auch wirklich besser, dass wir noch mal mehr Zeit reingesteckt haben. 

Lennart: Und dass wir überhaupt wussten, wie man ein Album aufnimmt. Wir sind da ganz anders rangegangen. Schon beim Schreiben wussten wir, wie man Dinge später aufnimmt.

Jakob: Genau. Und wie der Spagat wird zwischen der Studioproduktion und wie wir es dann wirklich live spielen. Sodass wir zwar auf der einen Seite viel pompöser gedacht haben mit ganzen Streicher- und Bläsersätzen und auf der anderen Seite trotzdem direkt auch schon wussten, dass wir das live am Ende auch realisieren können. 

Den Titel „Again“ darf man als norddeutsch-lakonisch werten ...

Jakob: (lacht) nochmal ...

Lennart: Wir sind echt nicht so gut mit Namen. Wir sind da relativ unromantisch. Wir haben uns überlegt, wie man das Album am besten beschreiben könnte oder uns mit diesem Album. Ganz viele Bands gehen ja an die zweite Platte so ran: Ey, jetzt machen wir alles neu! Jetzt machen wir mal ’ne Jazzplatte, oder jetzt wird’s mal ganz rough. 

Jakob: Deswegen ist auch der Slogan, den Lennart sich irgendwann zugelegt hat: again statt repeat. 

Lennart: Ja, aber das klingt so wie ein schlechter Werbespruch. (lacht) Man kann „again“ ja auch so auslegen: Ah, die haben das nur nochmal gemacht! So war das nicht gemeint. Eher so: Wir haben einfach weiter gemacht. Wir hatten nicht das Bedürfnis, uns neu zu erfinden, aber wir wollten uns auch nicht wiederholen.

Aber da sind schon Wiedererkennungsmerkmale in eurem Sound. Wie das Dynamische, dass ihr in Steilkurve in die Refrains geht. Das scheint bei euch gesetzt.

Jakob: Das sind einfach so Geschmackskonstanten, die uns positiv triggern. Dass man es einfach liebt, wenn Strophen leise und Refrains plötzlich laut sind. Wir nicht sechs Minuten brauchen, um aus ’nem leisen Gitarrensolo ein lautes zu machen, sondern einfach: bamm! Dass es einfach knallt. Auch krumme Takte sind eine Konstante, zu denen man sich trotzdem bewegen kann und mag – wie wir auch.

Lennart: Es gibt aber auch Lieder wie „Colorless“, die fangen ziemlich laut an und enden ganz ruhig.

Gibt es eigentlich Remix-Versionen von euren Songs?

Jakob: Gar nichts, tatsächlich, ne?

Lennart: Wir wurden immer mal gefragt, wir haben das immer abgewimmelt. Wir finden unsere Lieder gut so. (lacht)

Jakob: Und bevor jemand aus „Sisters“ ’nen Deep-House-Track macht mit meinen Vocals drauf, machen wir lieber unsere Version eines Deep-House-Tracks. 

Was unterscheidet die Alben stilistisch? Diesmal mehr Soul, weniger Rock? Richtig?

Jakob: Ich glaube, bewusst ’nen Wandel zum Souligeren, Poppigeren war’s nicht, oder?

Lennart: Nöö. 

Jakob: Ich könnte jetzt meine ganzen Punk- und Rockmomente des Albums nebeneinander stellen. 

Lennart: Wir haben uns mehr getraut, was den Pop und den Soul angeht, weil wir da voll dran Gefallen gefunden haben. Beim letzten Album waren wir da noch ein bisschen schüchterner. 

Jakob: Aber Songs wie „The Tired“ auf dem ersten Album hatten schon den gleichen Grad an Pop wie wie jetzt.

Lennart: Während wir niemals so konsequent laute Refrains auf der letzten Platte hatten wie zum Beispiel wie jetzt bei „River“ ...

Jakob: ... genau, der wirklich so rockig-grungig ist. „Down The Line“ zum Beispiel auch. Was es auf jeden Fall nicht mehr gibt, sind so ganz vertrackte Sachen und es gibt auch kein Geschrei. Weil wir gerade nicht so Lust drauf hatten. Vielleicht wird das nächste Album ein Punk-Album.

Warum musstet ihr euch denn überwinden?

Lennart: Beim ersten Album wussten wir einfach gar nicht, wie das ankommt, was wir machen. Da hätten wir uns ein Lied wie „Alone“ nicht getraut. Weil wir eigentlich ’ne Rockband sind, die bis vor Kurzem noch in AJZs gespielt hat und das gelegentlich immer noch tut. Und da findet in erster Linie einfach Punk und Rock statt. 

Bei „Alone“ könnt ihr eure Vorliebe für Michael Jackson nicht verleugnen ...

Jakob: Das ist der Song, den wir am zügellosesten poppig sein lassen wollten, der aber am längsten gedauert hat von allen.

Lennart: Obwohl er der minimalistischste ist.

Jakob: Gerade das. Die Basslinie!

Lennart: Daran wären wir fast zerbrochen. (lacht)

Jakob: Da hat Lennart gesagt: Wenn die Basslinie auf dem Album ist, dann steige ich aus.

Lennart: Das ist bei „Alone“ einfach das zentrale, harmoniegebende Instrument. 

Jakob: Und das muss einfach sitzen. Im Detail kann man da ’ne Stunde oder anderthalb drüber reden.

Lennart: Aber dann halten uns die Leute auch endgültig für verrückt.

„River“ soll laut PR-Info euer Lieblingssong sein. Warum?

Lennart: Es gab Leute, die wollten den nicht als Single rausbringen, wir wollten das unbedingt. Lieblingssong war ein gutes Argument, damit er unbedingt ein Video kriegt und rauskommt. 

Jakob: Es ist ja immer abhängig von der Tagesform, welchen Song an gut findet, aber im Durchschnitt ist „River“ schon echt auf Platz eins.

Lennart: Der war mit der erste, der fertig war und er unterscheidet sich am deutlichsten von der ersten Platte. 

Jakob: Wir wussten schon auch ziemlich schnell, dass das der Opener wird. Es ist viel spannender, wenn du sagst, was dein Lieblingssong ist.

Also ich finde ja besonders stark „One Hundred Twenty-Three“ mit diesem vertrackten Funk-Groove.

Jakob: Ach! Das war einer, bei dem es ein bisschen krummer sein durfte, der in den Strophen ein bisschen stolpern durfte. 

Lennart: Da fehlt immer ein Sechzehntel am Ende. 

Bei „Kids“ habe ich mich gefragt, ob die souligen Streicher echt sind.

beide: echt!

Lennart: Auch die Bläser. Darum wird auch die Aufnahme am Ende so teuer.

Der Song liefert auch das Tourmotto „The kids will unite“. Nur zwecks Party oder steckt da auch was Politisches drin?

Lennart: Eigentlich geht es um uns. Wir sind die Kids. und im weiteren Sinne um alle, die sich da zusammentun, etwa bei einem Konzert.

Wie habt ihr die Songs geschrieben?

Lennart: Wie bei der ersten Platte hatten alle fünf ihre Vetos und ein Lied war erst dann fertig, wenn alle damit total glücklich waren.

Jakob: Wir haben diesmal bestimmt zwei Alben weggeschmissen, beim ersten mal eins. Ein riesiger Ideenfriedhof, aus dem wir manchmal aber noch was ausgraben.

Lebende Leichen ...

Lennart: Kann man reanimieren ...

Wo habt ihr das Album produzieren lassen?

Lennart: Jetzt wird’s knifflig. geschrieben haben wir das alles selbst und vorproduziert. Dann sind wir nach Hamburg zu unseren beiden Produzenten gegangen, Christian Kühl (Gitarrist der Band Findus, d. Red) und Helge Hasselberg (Gitarrist der Band Trümmer), mit denen wir auch das erste Album aufgenommen gaben. Da haben wir das einfach nochmal nachgebaut. Produzieren heißt ja, dass man ’nen stimmigen Sound findet, für jedes einzelne Instrument, jedes Lied, das ganze Album. Wir hatten drei Monate und haben im Endeffekt fast sechs gebraucht. 

Jakob: Es ist am Ende noch kranker geworden als bei der ersten Platte. Während des Masterings haben wir festgestellt, dass uns ein Mix nicht gefallen hat, sind nochmal komplett mit dem ganzen Equipment ins Studio ...

Lennart: ... wir haben’s sogar noch mal neu eingesungen ...

Jakob: ... wir sind immer noch diese blöden Freaks vom letzten Mal. 

Lennart: Wir haben doppelt so viel bezahlt wie geplant und doppelt so lange gebraucht und haben uns doppelt so viel gestritten ...

Jakob: ... sind aber auch sehr glücklich. Aber wir brauchen neue Produzenten für das nächste Album ... (lacht)

Lennart: ... keiner redet mehr mit uns. 

Rechnet ihr damit, dass „Again“ in die Charts kommt, was eurem Debütalbum ja nicht gelang?

Jakob: Wow!

Lennart: Wer möchte das nicht? Wir haben aber ein ganz strukturelles Problem: Wir verkaufen die meisten Tonträger nach wie vor durch unseren eigenen Shop, und das wird nicht chartsrelevant gezählt. Für uns gibt es wichtigere Parameter als die Charts. Wir freuen uns mehr, dass, lange bevor sie losgeht, Dreiviertel der Tour mit fast 60 Konzerten in beiden Blöcken ausverkauft ist.

Jakob: Kiel ist auch ausverkauft. Verdammt noch mal, 1300 Leute, das wird krass.

Lennart: Letztes Mal haben wir noch in der Schaubude gespielt.

Jakob: Zweimal aber!

Lennart: Aber da standen eher 130.

Kiel ist ja sogar hochverlegt worden von der Pumpe ins Max. Ist es für Leoniden denn jetzt vorbei mit den kleinen Clubs?

Lennart: Es gibt zwei Facetten: Einerseits sind nicht überall große Shows möglich; wenn wir im tiefsten Österreich oder ganz weit im Süden der Schweiz spielen, dann kommen nicht im Ansatz so viele Leute. Anderseits ist es so, dass wir uns auch ’ne Show ausgedacht haben, die allein technisch und mit dem Licht einfach nicht mehr in jedem Laden funktioniert. Uns tat es schon auch weh, dass wir dieses Jahr nicht in der Schaubude spielen können. Darum machen wir da ’ne Aftershowparty.

Interview: Thomas Bunjes

Konzert (ausverkauft): Freitag, 14. Dezember, 19.30 Uhr, Max Nachttheater, Eichhofstr. 1, Kiel; www.leonidenmusik.de

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