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Kultur Ein Bandleader und Motivator
Nachrichten Kultur Ein Bandleader und Motivator
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12:11 27.09.2018
Von Thomas Bunjes
Startete musikalisch als Autodidakt: der Kieler Gitarrist, Komponist, Arrangeur und Bandleader Jens „Doc“ Köhler. Quelle: mwe: Manuel Weber
Kiel

Led Zeppelin, Ten Years After, The Nice waren Köhlers frühe Helden. Nach einigen Jahren als Rockgitarrist entdeckte er den Jazz, als er 1979 während einer Disco in der Kieler Kneipe „Damper“ George Bensons "The
World Is A Ghetto" hörte. Seit 1993 leitet er das Landes-Jugend-Jazz-Orchester (LJJO) leitet und gehört diversen Formationen an: Jens Köhler Quartett, Claasen-Köhler-Quartett, JazzArtOrchestra und Doc Köhler’s Sultans of Swing.

Mehr als 500 junge Musiker im LJJO betreut

Mehr als 500 junge Musiker hat Köhler im LJJO betreut. Hat er da noch viele Gesichter vor Augen? „Ja. In jeder Besetzung gibt’s Leute, die gut sind.“ Wie Dietrich Koch, heute Saxofonist, in Berlin. „Der studierte damals parallel Romanistik“, erinnert sich Köhler. Vor einiger Zeit sei Koch mit seinem Quartett in Kiel gewesen und habe ihm erzählt, kurz vorm Examen habe er damals das Studium geschmissen und dann Musik studiert.

Selber leider ständig mehrgleisig gefahren

Dieses mutige Setzen von Prioritäten bewundert Köhler. Er sei ständig mehrgleisig gefahren. „Davon rate ich ab!“ Er habe Germanistik studiert, später promoviert. Doch die Musik geriet immer mehr in den Fokus, was das Studium „ewig in die Länge“ zog. Heute sei er halb Hausmann, halb Musiker, verheiratet und habe einen 20-jährigen Sohn. Vielleicht wäre er kein schlechter Lehrer geworden, sinniert er, aber da sei eben die Musik gewesen.

Als Jurymitglied "eher milde"

50 Arrangements und Kompositionen hat Köhler für das meist 25-köpfige LJJO vorgelegt. Einfache Stücke, vor allem für den Neuaufbau des Orchesters nach Abgängen geeignet. Da ist Urteilsvermögen gefragt, wie bei Köhlers Engagement als Jurymitglied, etwa bei „Jugend jazzt“. Als eher strenger oder milder Juror? „Eher milde. Aber ich werde streng, wenn die Leute zu großspurig auftreten.“

Bei der Besetzung im LJJO auch mal falsch gelegen

Das LJJO speise sich aus Bewerbungen oder bei „Mangelinstrumenten“ wie Posaune auch durch aktive Suche, etwa in Musikschulen. Geirrt hätten sie sich schon mal bei der Auswahl. Köhler fällt Jörn Marcussen-Wulff ein, mittlerweile mehrfach ausgezeichneter Musiker, Dirigent und Dozent. Der habe als Pianist vorgespielt, „konnte gut Sachen nachmachen“. Aber keine eigene Handschrift, also musste er raus aus der Band. „Ein oder zwei Jahre später ist er wiedergekommen. Als Posaunist. Und er ist ein Hammer-Posaunist! Da haben wir falsch gelegen mit Piano.“

Offenheit ist wichtig im Jazz

Neben Teamfähigkeit seien drei weitere T’s wichtig für die Nachwuchs-Jazzer: time, technique, taste. Und Offenheit. „Mit einem sehr eingeschränkten Geschmack kommt man schnell an Grenzen.“ Als Bandleader stelle er das Repertoire zusammen und versuche die jungen Musiker zu motivieren, weiterzumachen. Die Atmosphäre sei gut beim LJJO. „Das erzeugt man natürlich als Leiter. Und deshalb wollen die Leute auch nicht unbedingt weg.“

"Die Guten treffe ich sowieso wieder"

Anders die heute renommierte Bassistin Eva Kruse. Zwei, drei Jahre war sie im LJJO, ging dann nach Berlin. „Ich kann hier nichts mehr lernen, hat sie gesagt“, erinnert sich Köhler. Er habe sie bekniet, noch ein Jahr
zu bleiben, um den Übergang weicher zu machen. „Aber da war sie hart. Und letztendlich hat sie es richtig gemacht.“ Wie fühlt es sich an, wenn man so viel Zeit und Arbeit investiert hat? Überwiegt Bedauern oder
der Stolz aufs Flüggewerden? „Die Trauer ist nur ganz kurz. Ich bin begeistert, wenn sie es geschafft haben“, sagt Köhler. „Das ist eben kein festes Orchester. Die Aufgabe ist es, die Leute mitzunehmen und auf ein
anderes Level zu heben. Und ich weiß: Die Guten treffe ich sowieso wieder. Dazu ist der Jazz in Deutschland zu klein.“

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