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Kultur „Fräulein Else“ als Studio-Stück
Nachrichten Kultur „Fräulein Else“ als Studio-Stück
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17:33 25.09.2015
Von Anne Steinmetz
Regisseur Dominique Schnizer holt Schnitzlers Else in die Gegenwart. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Zuerst stand das Bühnenbild fest. Klare, weiße Räume, Krankenhausatmosphäre. Das sei nach der ersten Lektüre der Novelle zusammen mit Christin Treunert, der Ausstatterin des Stückes, klar gewesen, erzählt Dominique Schnizer. Auf dieser Basis habe er die Inszenierung entwickelt. Fräulein Else von Arthur Schnitzler bringt der Regisseur im Studio des Kieler Schauspielhauses auf die Bühne.

 In der Erzählung von 1924 wird die 19-jährige Else während ihrer Ferien in Italien in einen inneren Konflikt gestoßen. Sie wird von ihren Eltern dazu gedrängt, einen Geschäftsfreund des Vaters, der zufällig im gleichen Hotel wie Else wohnt, um Geld zu bitten. Nur so könne der Vater und damit die gesamte Familie vor dem finanziellen Ruin und einem gesellschaftlichen Skandal gerettet werden. Der Kunsthändler von Dorsday ist bereit, das Geld zu überweisen, im Gegenzug fordert er jedoch, „eine Viertelstunde dastehen zu dürfen in Andacht von ihrer Schönheit“. Else ist hin- und hergerissen zwischen der inneren Scham, sich dem älteren Herrn nackt zu zeigen und dem Gefühl, die Familie retten zu müssen. Schnitzler erzählt die Geschichte ausschließlich aus der Sicht Elses, in Form eines inneren Monologs. Er war einer der ersten Autoren, der diese Erzählweise so konsequent verfolgt. Mehrfach ist der Stoff bereits verfilmt worden, zuletzt 2013.

 „Schnitzler ist ein Autor, der den Menschen gut kennt“, sagt Dominique Schnizer. Das habe für ihn den Reiz ausgemacht, die Regie des Stückes am Kieler Schauspielhaus zu übernehmen. Der 35-Jährige hat vor sieben Jahren für das Schauspielhaus Hamburg die sechsteilige Theaterserie Spiel’s noch einmal im Maritim Hotel Reichshof entwickelt. Er inszenierte unter anderem schon am Theater Osnabrück, bei den Ruhrfestspielen, dem Badischen Staatstheater Karlsruhe und am Nationaltheater Weimar. Schnitzlers Novelle sieht er sehr in ihrer Zeit verhaftet – heute würde schließlich niemand mehr in Ohnmacht fallen, wenn er eine nackte Frau sieht. Die Menschen jedoch hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht so verändert, weshalb die Beobachtungen Schnitzlers immer noch aktuell seien. Schnizer hat dennoch einen Weg gesucht, Fräulein Else in die Gegenwart zu ziehen und ihr damit einen einen sichtbar aktuellen Bezug zu geben.

„Ich habe mich gefragt, was wäre, wenn Else am Ende der Erzählung nicht stirbt, sondern überlebt. Wie wäre ihr Leben dann verlaufen?“ In seiner Interpretation des Stückes erholt sich Else von dieser traumatischen Erfahrung nicht. Eine inzwischen gealterte Else, gespielt von Ellen Dorn, durchlebt in einem kargen Raum – offensichtlich eine psychiatrische Einrichtung – immer wieder die Erlebnisse ihres Urlaubs. Schnizer vergleicht Elses Erfahrungen mit denen eines Missbrauchsopfers: „Dass sie überlebt hat, ist so letztlich die größere Strafe.“ www.theater-kiel.de

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