2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Erinnerung an den Matrosenaufstand

„Kieler Wacht“ Erinnerung an den Matrosenaufstand

2018 jährt sich der Kieler Matrosenaufstand zum 100. Mal und die Stadt hat die allererste Gelegenheit ergriffen, daran zu erinnern. Am Neujahrsabend präsentierte das Theater Kiel in Zusammenarbeit mit Deichart „November 1918- ein Abend in der Deutschen Wacht“, inszeniert von Daniel Karasek.

Voriger Artikel
Rettungssymphonie mit Gregor Bühl
Nächster Artikel
"Verbotenes Lichtspiel": Schräges Kino

Historische Spurensuche (v. li.): Siegfried Jacobs, Eirik Behrendt, Jasper Diedrichsen, Katharina Abt und Tom Keller

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Sie verweigerten den Befehl, für Ehre, Kaiser und Vaterland in eine sinnlose Seeschlacht gegen die Engländer zu ziehen, nachdem die Kapitulation längst beschlossene Sache war. Sie bezahlten ihren Ungehorsam mit Gefängnis, einige sogar mit dem Leben. Aus der Befehlsverweigerung wurde Aufstand, aus dem Aufstand eine Revolution, die zur Gründung der ersten deutschen Republik führte. 

Die szenisch-musikalische Lesung aus der Feder von Rolf Fischer, Staatssekretär a. D und Experte für Kieler Stadtgeschichte, schildert anhand von historischen Texten, Tagebuchaufzeichnungen und Briefen die Chronologie der Ereignisse von damals.

Hinsichtlich des Aufführungsdatums habe es zunächst Zweifel gegeben, so Kulturdezernent Wolfgang Röttgers in seiner kurzen Begrüßungsrede. „Einige fürchteten, an Neujahr komme vielleicht keiner.“ Falsch gedacht. Besetzt bis auf den letzten Platz war das Kulturforum – wegen der großen Nachfrage wird derzeit über einen Wiederholungstermin nachgedacht.

Fünf rote Stehpulte beherrschen die Bühne, darüber ein Wald aus roten Zetteln, die wie Flugblätter an dünnen Fäden schweben. Nach und nach finden sich die Akteure ein – neben Pianist Stefan Bode sind Siegfried Jacobs, Eirik Behrendt, Jasper Diedrichsen, Katharina Abt und Tom Keller dabei. Jacobs gibt den Conferencier. Nach einer kurzen Beschreibung der Situation nach der Kapitulation 1918 lenkt er den Blick auf Kiel, wo sich einst „die Gefühlslage des Landes wie in einem Brennglas“ spiegelt. Im Wechsel kommen seine Mitspieler zu Wort. Sie beschwören Bilder vom amüsierwilligen Treiben in Kiels Theatern und Kulturtempeln, das im krassen Gegensatz zu der Situation auf den Straßen voller traumatisierter Kriegsheimkehr steht. Dann schwenkt der Blick zu den Matrosen, namentlich zum „renitenten 3. Geschwader“, dessen Mitglieder dem Kaiser die Gefolgschaft verwehren.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3