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Kultur Rimoldis starke Charaktere
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00:26 18.06.2014
Von Dr. Christian Strehk
Emanuel Rimoldi schielt mit seinem technisch absolut souveränen Spiel nie nach äußerlichen Effekten. Quelle: VdM/hfr
Kiel

Rimoldi erwies sich als enorm starker, auch von einer Funkstörung der Akustikanlage nicht aus dem Tritt zu bringender Robert-Schumann-Interpret. Die Kinderszenen brachte er zart poetisch ins Schweben, gerade weil er die oft missachteten raschen Tempovorstellung des Romantikers aufgriff. Noch bezaubernder gelang ihm die heikel vielgestaltige Humoreske, Schumanns vielleicht reichste Klavierkomposition.

Rimoldis technisch absolut souveränes Spiel schielt nie nach äußerlichen Effekten, sondern sucht spürbar nach einem kantabel strömenden, eigenwilligen Charakterbild. Das machte sogar Sergej Prokofjews düster sperrige c-Moll-Sonate op. 29 spannend. Anders als einst der eher ungerührt streng spielende Komponist selber entdeckte Rimoldi etwa im langsamen Mittelsatz ein Meer an intensiv aufglühenden Farben.

Herrschte in der Sicht des Mailänders auf Chopins geheimnisvoll morbidem Venedig-Bild, dem Fis-Dur-Gondellied op. 60, doch ein wenig zu viel Nebel und „Aqua alta“, frappierte er in Liszts 12. Ungarischer Rhapsodie und in den Zugaben (hoch virtuose Adaptionen von Rachmaninow-Liedern) mit geradezu orchestraler Wucht und Weite.

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