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19:44 24.07.2016
Von Ruth Bender
Der kleine Prinz wundert sich im Kieler Rathaus-Innenhof. Quelle: Axel Nickolaus
Kiel

 So oder so fängt sie die Zuschauer ein, Antoine de Saint-Exupérys Geschichte vom Kleinen Prinzen, der seinen Planeten verlässt und auszieht in die Welt, um einen Freund zu suchen. Es ist alles, wie es sein soll: Der Kleine Prinz mit dem blonden Strubbelkopf, dem blauen Mantel und der großen Sehnsucht. Der Erzähler, der sich müht, ein Schaf zu zeichnen, so wie es sich sein Besucher vom Asteroiden 612 wünscht. Der autoerotisierte Eitle, der gnatschige König, der tragische Säufer, der lebensweise Fuchs und all die anderen. Und dazu lässt Markus Schmidt-Relenberg am Saxophon im Innenhof des Kieler Rathauses seine sehnsüchtige Melodie gen Himmel steigen.

Es schwingt locker zwischen Kinderbuch und Comic, Commedia und Karikatur, was Regisseur Christoph Munk und seine Schauspieler genussvoll anzetteln. Anna Nigulis gibt als Nachfolgerin von Christian Enner ihre Premiere als Erzähler mit Einfühlung und ist außerdem eine hübsch kapriziöse Rose. Für  witzigen Slapstick sorgt Ivan Dentler (Eitler, Säufer, Laternenanzünder) – und ist zudem ein schmiegsamer Fuchs. Und den traurigen Clown zeigt Markus Dentler in verschiedenen Varianten: vom albernen Geografen über den grauen Herrn, der die Sterne für sein Eigentum hält, bis zum großartig fuchteligen König, der mit gestanzten Sätzen und Befehlszwang unweigerlich an ganz reale aktuelle Alleinherrschertendenzen am Bosporus denken lässt.

Vielleicht erscheint Linda Stachs bubiger Prinz deshalb so besonders nachdenklich und verloren auf seiner Planetenreise. Kein Wunder auch, wenn ihm die großen Leute in diesen Tagen mehr noch als sonst „entschieden wunderlich“ vorkommen sollten. Einen Freund jedenfalls, so sieht es aus, könnte der Kleine Prinz diesmal dringender brauchen denn je. Bis zum 28. August dürfen sie kommen und ihn begleiten.

Bis 28. August, Freitag und Sonnabend 20 Uhr, Sonntag 15 Uhr. Kartentel. 0431/553401, www.komoediantentheater.de

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