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Kultur Heimgekehrt: Der Maler Detlev Blunck
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15:00 05.07.2017
Von Maren Kruse
In der Osteria Gensola in Rom: Seinen deutsch-dänischen Künstlerfreunden, darunter Bildhauer Bertel Thorvaldsen (re.), setzte Blunck (3.v.re.) mit dem 1836 entstandenen Gemälde ein Denkmal. Quelle: Malerisamling Nivaagaard

Was für Schleswig-Holstein galt, sah in Dänemark anders aus - dort blieb Blunck als Künstler eher eine Randfigur. Zu Unrecht fand Karin Bechmann Søndergaard, die sich vor sechs Jahren an eine Biografie des Malers machte. Bei ihren Recherchen stieß die Kopenhagener Kunsthistorikerin und Bibliothekswissenschaftlerin auf das Blunck-Archiv von Wolfgang Zeigerer. Der ehemalige Direktor der Stadtgalerie Kiel hatte es 2013 dem Flensburger Museumsberg für die Forschung zur Verfügung gestellt. Dass jetzt, vier Jahre später, nicht nur das 330 Seiten starke Buch der dänischen Wissenschaftlerin über Blunck vorliegt, sondern auch eine groß angelegte Ausstellung in Nivaagaard Wirklichkeit geworden ist, kann als deutsch-dänischer Glücksfall bezeichnet werden. Zu sehen sind dort 64 Gemälde von Blunck, 17 Handzeichnungen und Bilder von Lehrern und Zeitgenossen. Wichtige Leihgeber sind auf schleswig-holsteinischer Seite die Kieler Kunsthalle, Schloss Gottorf, das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum und die Landesbibliothek.

Wie folgenschwer und wie lange der deutsch-dänische Krieg auch in der Kunstgeschichte nachwirken sollte, ist eine Erkenntnis, die Buch und Ausstellung lebendig vermitteln. War doch Blunck einer jener Maler, die sich selbstverständlich zwischen der dänischen und der holsteinischen Seite verorteten und heimisch fühlten. Wie viele seiner Zeitgenossen war es auch für den talentierten jungen Mann selbstverständlich, sein Studium an der Kopenhagener Akademie aufzunehmen. Kaum 16 Jahre war er alt, als er sein Elternhaus in Münsterdorf bei Itzehoe verließ. Der Vater war Fährenpächter an der Stör unweit des malerisch gelegenen Breitenburger Schlosses, das schon Hans Christian Andersen in den schönsten Farben schilderte, als er dem Grafen Rantzau dort erstmals einen Besuch abstattete. Rantzau war es auch, der den wissbegierigen jungen Maler künftig als Förderer begleitete. Die Münchner Akademie, dann wieder Kopenhagen und schließlich ein Italien-Stipendium waren wichtige Marksteine von Bluncks Karriere. Doch als sich Blunck von seinen dänischen Auftraggebern enttäuscht in den 1840-er Jahren auf die schleswig-holsteinische Seite stellte, hatte er seinen Bruch mit Dänemark besiegelt. Das Selbstporträt von 1848 zeigt ihn mit dem kecken Tirolerhut der Freischärler, der zum Symbol der Ausstellung in Nivaagaard geworden ist. Als Motiv ziert es Taschen, Plakate, Postkarten und das Cover des Katalogbuchs. Die Freischar national gesinnter holsteinischer Künstler hatte sich in Wien zusammengefunden, wo Blunck sich einige Jahre aufhielt. Eine Parteinahme, die folgenschwer war: Sein geliebtes Dänemark sollte Blunck nie wieder sehen. Er galt fortan als unerwünschte Person in einem Land, das er einst so selbstverständlich als seine Heimat angesehen hatte.

Wolfgang Zeigerer, der den Maler während seines Kunstgeschichtsstudiums für sich entdeckt hatte, spürte bis in die 1990-er Jahre ein gleichgültiges Desinteresse an Blunck. Immer wieder recherchierte er in Dänemark und versäumte es nicht, bei seinen Kollegen das Augenmerk auf den Maler zu richten. Erst mit Ankäufen des Statens Museum in Kopenhagen und zuletzt der Sammlung Nivaagaard bröckelte die Bastion der Blunck-Ignoranz.

Die Ausstellung, die das Werk des Malers in drei großen Sälen so opulent ausbreitet, hat offenbar auch beim dänischen Publikum eine Lücke geschlossen. Die Schau gibt nicht nur dem Genre- und Historienmaler und dem einfühlsamen Porträtisten Blunck Raum, sondern lässt auch die Faszination für Italien und die deutschen Nazarener anschaulich werden. Exemplarisch dafür steht das vierteilige Monumentalwerk Das Leben, eine Allegorie aus dem Jahr 1838. Die Leihgabe aus dem Statens Museum zieht in seiner detailbesessenen malerischen Finesse und der stilisierten, wie choreografiert wirkenden Personenregie die Blicke auf sich. Karin Bechmann Søndergaard ist während ihrer Blunck-Recherche zur leidenschaftlichen Anwältin des Holsteiner Malers geworden. Von Zeigerer spricht sie beim Rundgang durch die reich bestückte Ausstellung als „ihrem Mentor“. Das Presse- und Medienecho auf dänischer Seite belohnt ihren Einsatz: Die großen Zeitungen widmen dem Maler aus Itzehoe doppelseitige Besprechungen. Die Nutzung von Zeigerers Blunck-Archiv und die daraus resultierende Zusammenarbeit hat die dänische Kunsthistorikerin als großen Glücksfall empfunden. Die Widmung in ihrer Maler-Biografie gilt dem Kieler Kollegen.

Nivaagaards Malerisamling, Gammel Strandvej 2, Nivaa, Dänemark. Bis 27. August. Di-Fr 11-20 Uhr, Sa/So 11-17 Uhr. Katalogbuch (dänisch) 33 Euro. Info unter: www.nivaagaard.dk

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