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Kultur Das Leben auf dem Tod
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08:00 30.06.2018
Von Kai-Peter Boysen
Dr. Mark Benecke bei seinem Vortrag "Insekten auf Leichen" im Max Nachttheater Quelle: Kai-Peter Boysen
Kiel

Er ist schon ein besonderer Typ, der Mark Benecke: Auffällig tätowiert, Freund düsterer Musikklänge, engagierter Tierschützer, Veganer, Psychologe, als Politiker für Die Partei aktiv und in der Hauptsache Kriminalbiologe, der gern als „Herr der Maden“ bezeichnet wird. Und die sind reichlich vertreten, wenn Verwesungsprozesse in Gang gesetzt werden.

Mit der gebotenen Sachlichkeit, aber durchaus mit humorvollen Zwischentönen („Herzstillstand ist eine Bitch“) zeigte Benecke in seinem dreistündigen Vortrag Leichen in unterschiedlichen Verwesungsstadien, räumte mit Mythen auf, erklärte die unterschiedlichen „Besiedlungszeiten“, die Rückschlüsse über „Liegezeiten einer Leiche“ Aufschluss geben und erklärte auch , dass Maden keineswegs aus den Körpern kröchen, sondern sich in Madenteppichen aneinander wärmten und Schmeißfliegen ihre Eier halt gern in feuchten Höhlen ablegten. Was beim dahingeschiedenen Menschen dazu zählt, kann sich jeder ausmalen.

Vorher, in der Pause und nach der Veranstaltung nutzte das tendenziell junge Publikum die Gelegenheit, sich Bücher signieren zu lassen oder ein Selfie mit dem populären Naturwissenschaftler zu machen. Auch Fotos waren nur in dieser Zeit erlaubt.

Es bedurfte einiger Zeit, aber ganz allmählich wurde man vertraut mit den Bildern und konnte sich hineinversetzen in die Blickweise des Biologen („Hier sehen Sie wieder die rotbraune Verfärbung durch das Austrocknen“), der seine Arbeit frei von moralischen, ethischen, religiösen oder sonstig wertenden Kriterien verfolgt und dem es nur um die „messbare Wahrheit“ geht.

„Der Tod ist nicht das Ende“ prangte zum Schluss nicht ohne Ironie auf der Leinwand; für viele Lebewesen fängt es dann erst an…

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