Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Vergänglichkeit und andere Schönheiten
Nachrichten Kultur Vergänglichkeit und andere Schönheiten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:17 03.12.2015
Von Sabine Tholund
Die Künstler Wolfgang und Daniela Wehrmeier mit ihren fotografischen Arbeiten. Quelle: Manuel Weber
Heikendorf

 Um den erst 2014 eröffneten Anbau nicht brach liegen zu lassen, hat die Museumsleiterin mit Regine Haack eine vierte Künstlerin einbezogen, deren Arbeiten zum Thema passen. Wie alles sich verändert heißt die ansprechende Schau, die mit traditioneller Grafik, Ölmalerei und Fotografie drei bedeutende Felder der bildenden Kunst abdeckt, ohne sie miteinander zu vermischen.

 Die Fotoarbeiten schwingen dank einer sinnfälligen Deckenkonstruktion luftig im Raum. Entstanden sind sie 2007 im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes, mit dem das Ehepaar das Thema Vergänglichkeit auf poetische Weise sichtbar macht. Blätter und Pflanzen aus dem Garten, auf einem Leuchttisch zu Bildern komponiert, wurden und über zwei Wochen dem natürlichen Verfall ausgesetzt. „Mit der Kamera haben wir die Veränderungen festgehalten und festgestellt, dass auch die Vergänglichkeit schön sein kann“, erzählt Daniela Wehrmann. Tatsächlich könnte der Reiz des Zerfallens von Farben und Formen kaum eindrücklicher anschaulich gemacht werden. In großformatigen Kompositionen und Detailaufnahmen wandelt sich sattes Grün in leuchtendes Ocker oder fahles Braun, pralle Oberflächen lösen sich auf in filigrane Strukturen, dazu setzt gestautes Kondenswasser malerisch-abstrakte Akzente.

 Auf ganz andere Weise setzt sich Gerhard Hermanns in seinem Zyklus Letzte Landschaften mit der Vergänglichkeit auseinander. „Wir haben festgestellt, dass die Landschaft sich mit den Jahren verändert – durch den Verschleiß, den wir uns leisten“, so seine Witwe Helene. In kleinen Bildserien von Kanälen, Knicks oder Uferlandschaften verweist der Dithmarscher durch sukzessives Wegschneiden der Hauptmotive dezent auf die Zerstörung der Natur. Auffallend ist dabei die transparente Gestaltung seiner Farbholzschnitte, die auf plakative Flächigkeit verzichten und die Maserung des Holzes zum Teil des Bildgegenstandes machen.

 Zwischen Naturalismus und Abstraktion ordnet sich die Bildwelt von Regine Haack. Die Heikendorfer Bildauswahl lässt die künstlerische Entwicklung der Kielerin erkennen. Während jüngere Arbeiten zunehmend von doppelbödig „überblendeten“ Landschaften geprägt sind, strahlen in älteren Bildern Pflanzen und Blumen, gemalt mit fotografischer Akkuratesse, vom geweißten Malgrund. Unter dem Weiß zeichnen sich schemenhaft Umrisse von Skulpturen und Ornamenten der Kulturgeschichte ab, die dem Dargestellten eine weitere Bedeutungsebene verleihen. „Mit dem ersten Blick kann man diese Bilder nicht erfassen“, so Behrens. „Man muss immer auch das Dahinter sehen.“

 www.kuenstlermuseumheikendorf.eu

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur SHMF-Weihnachtskonzert - Avi Avital: Dolce vita mit Mandoline

Mandolinen im Mondschein vor Capri, der weibliche Vesuv Sophia Loren, die Camorra-Familien: In Neapel herrscht bekanntlich eine spezielle Temperamentstemperatur. Beim SHMF-Weihnachtskonzert fesselte der Echo-Klassik-Preisträger Avi Avital mit seinem metallischen Pling-Pling-Kapriolen die Sinne.

Dr. Christian Strehk 03.12.2015

Der bisherige Direktor des Altonaer Museums, Hans-Jörg Czech, übernimmt die Leitung des Hamburg Museums. Der 49-Jährige wechsle zum 1. Januar 2016, teilte die Kulturbehörde am Donnerstag mit.

03.12.2015

Hamburg (dpa/lno) - Den Titel "Streamlines. Ozeane, Welthandel und Migration" trägt eine neue Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen. 15 künstlerische Projekte zu Seewegen, Flucht, Hafen und Welthandel stehen dabei im Mittelpunkt.

03.12.2015