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08:00 15.09.2018
Von Sabine Tholund
Annette Weisner, Leiterin der Grafiksammlung, vor Radierungen aus Goyas Zyklus "Torheiten". Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

„In den Radierungen offenbart sich eine ungeheure Freiheit im Denken und Beobachten, umgesetzt in eine besondere Bildsprache“, so Sammlungs-Leiterin Annette Weisner.  Dem Künstler, zur Zeit des Ausbruchs der Französischen Revolution Hofmaler im  Dienst Karls IV., entging  die Verlogenheit und Eitelkeit seiner Auftraggeber ebenso wenig, wie die damit verbundenen gesellschaftlichen Missstände. In seinen Grafiken, die er ohne Auftrag schuf, brachte er seine kritischen Gedanken in symbolhaft verschlüsselten, fantastischen Bildern zum Ausdruck. Wegen ihrer Brisanz wurden Zyklen wie „Los Disperates“ (1825-24) und die berühmten „Desastres de la Guerra (1810-14) erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Stolzer Stier, akrobatisch umtanzt

Ganz anders der Stierkampf-Zyklus. Die politisch unverfängliche Folge konnte gleich nach ihrer Fertigstellung 1816 präsentiert werden.  Im Zentrum der kleinformatigen Drucke steht jeweils der stolze Stier, umtanzt von einem tollkühnen, mit akrobatischer Leichtigkeit agierenden Torero – das Publikum bleibt als amorphe Masse verschwommen im Hintergrund.  „Goya beweist hier sein Vermögen, die neue Aquatinta-Technik bis an den Rand ihrer Möglichkeiten auszuschöpfen“, schwärmt Kunsthallenchefin Anette Hüsch.

Im Universum des Fantastischen

Technisch nicht minder brillant ausgeführt sind die 18 Blätter des „Torheiten“- Zyklus', mit dem Goya den Betrachter  in ein Universum des Fantastischen entführt.  Finstersten Albträumen entsprungen scheinen hier übergroße Figuren, gesichtslos oder mit teuflischen Fratzen ausgestattet.  Eindeutige Interpretationen gibt es für diese Blätter nicht, die auch in aktuellen Zusammenhängen lesbar wären. 

Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1. Bis 13. Januar. Di-So 10-18, Mi 10-20 Uhr   

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