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Kultur Lebendiger denn je: Die Toten Hosen
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00:18 20.05.2013
Von Kai-Peter Boysen
Sänger Campino begeisterte die Fans in Kiel. Quelle: Schaller
Kiel

„Hey Ho, let`s go“, schallt es schon kurz vor dem Konzert so lautstark durch die Halle, dass man meinen könnte, die Ramones spielten ihren „Blitzkrieg Bop“ live auf der Bühne. Dort hat sich kurz zuvor die irische Vorband Kopek einen wohlwollenden Applaus abgeholt, Hosen-Bassist Andi hatte sich die Zeit genommen, die Band persönlich anzukündigen.

Mit „Ballast der Republik“ vom aktuellen Erfolgsalbum gleichen Titels starten die fünf Düsseldorfer dann  in ihren Gig. Die Halle kocht, vom Bühnenrand bis unter die Decke wird auch der Hit „Altes Fieber“ mitgesungen. Sänger Campino ist mal wieder lädiert, der halbjunge Haudegen hat vor ein paar Tagen in Bielefeld versucht, eine Brandschutztür mit dem Mittelfinger aufzuhalten. Eine Lappalie für den quirligen Frontmann, der schon mal mit einem Gipsbein das Zeltdach von „Rock am Ring“ erklommen hat.

„Seid ihr bereit durchzudreh`n?“, schickt er eine rhetorische Frage ins Rund bevor die Band mit „Auswärtsspiel“ eine ihrer punkigen Fußballhymnen anstimmt. Vor der Bühne werden Fahnen geschwenkt, ein kleiner Junge auf Papas Schultern schwenkt fleißig mit. Überhaupt sind Hosen-Fans „The Next Generation“ zahlreich vertreten, Die Toten Hosen haben es längst geschafft, den Funken von den Eltern auf den Nachwuchs überspringen zu lassen. Ihre treuen Fans, man sieht unzählige Hosen-Shirts der letzten Dekaden, sind mit ihnen gealtert und gereift, haben Trennungen, Verluste und Abschiede, Siege und Niederlagen erlebt. Die Toten Hosen haben ihnen stets den Soundtrack dazu geliefert, Campino fungiert als moderner Cyrano de Bergerac, der Worte für das findet, was viele fühlen. Kuddel und Breiti (Gitarren), Bassist Andi und Drummer Vom ist es gelungen, die Songs auf Stadion zu trimmen, ohne dass sie ihre intime Wohnzimmertauglichkeit verlieren. „Alles aus Liebe“ wird Arme schwenkend genauso mitgesungen wie die Akustiksongs „Alles wir vorübergehen“, „Ertrinken“ oder „Draußen vor der Tür“, das Campino für seinen verstorbenen Vater geschrieben hat.

Abräumer sind natürlich „Hier kommt Alex“, der Riesenhit „Tage wie diese“, und, wer so ein buntes Federkleid hat, darf sich auch mit fremden Federn schmücken, „Schrei nach Liebe“ von den nicht minder erfolgreichen Ärzten aus Berlin. Schön gerät auch der Hannes-Wader-Song „Heute hier, morgen dort“.

Campino verausgabt sich wie gewohnt, ist gelenkig und fit, auch wenn er zwischendurch mal pumpen muss. Gern verweist er auf die Anfänge der Band im Norden: „Kennt jemand Husbyries?“ fragt er. Im dortigen Bluntschli (später Pluntschli) nahe Flensburg hat die Band in den Achtzigern gespielt und der Aufenthalt in unseren Breiten hat der Band sicher dicke Köpfe aber auch den stetig im Tempo steigenden Partykracher „Eisgekühlter Bommerlunder“ beschert. Circle Pit ist hier nicht zum ersten Mal angesagt, die Stimmung ist zwei Stunden lang großartig. Die Band braucht dafür keine großen Showeffekte, dezente Videoanimationen und Konfettiregen vor den Zugaben reichen, denn Die Toten Hosen sind identitätsstiftend, und dazu braucht man nur gute Songs und ein großes Herz.     

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