Lems Futurologen im Werftpark-Theater: Science-Fiction auf der Bühne
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15:02 03.06.2018
Von Ruth Bender
Im Clinch mit sich selbst: Lasse Wagner (li.) und Kristin Hansen sind Ijon Tichy. Quelle: Olaf Struck
Kiel

Die Parallelwelt liegt in einer schicken Retro-Lounge (Bühne: Hannah Landes), weit weg von der Wirklichkeit draußen, von der die Wolkenkratzer hinterm Panoramafenster künden. Hier sind sie zusammengekommen, die Futurologen, um über Zustand und Zukunft der Welt zu beraten - und Raumfahrer Ijon Tichy ist dabei.

Begütigt von den sogenannten „Benignatoren“, Substanzen, die den Blick rosig verklären, sehen die dräuenden Katastrophen von Klimawandel bis Überbevölkerung auch gar nicht mehr so schlimm aus.

Astrid Großgasteiger stellt Lems Protagonisten gleich in fünffacher Ausfertigung auf die Bühne, zersplittert seine Identität in Fragen und Zweifel, aber auch in die unterschiedlichen Aspekte und Körperhüllen, die Tichy im Laufe des Abends durchläuft. Sie lässt Revue spielen und Dada, Frankenstein und Schöne neue Welt.

Prächtiger Gospelchor und manischer Komiker

Und Lasse Wagner und Kristin Hansen, Annegret Taube, Sebastian Kreuzer und Gulshan Sheikh machen das famos. Sie alle sind Ijon Tichy und noch ein paar andere Charaktere dazu. Ein prächtiger Gospelroboter (Sheikh) oder eine dauerlächelnde Replikantin (Taube), ein Opernsänger (Kreuzer), die taffe Forscherin (Hansen) und ein manischer Komiker (Wagner).

So unterhaltsam ist das, dass man fast den Ernst der Lage vergessen könnte. Denn erst wird Tichy schwer verletzt, dann zusammengeflickt und eingefroren - nur um 2039 in einer von „Psychemie“ fragwürdig befriedeten Welt aufzuwachen. Da ist auch die allgegenwärtige Netzwelt nicht mehr weit. So gelingt, eingerahmt von David Bowies „Space Oddity“, eine nachdenkliche wie komisch-apokalyptische Groteske.

Weitere Aufführungen:

Theater im Werftpark. Ab 14 Jahre. 5., 8., 9., 12., 13., 15., 27., 28. Juni. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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