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Kultur Auf der Suche nach Amerika
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19:03 11.07.2018
Von Ruth Bender
Gewitzte Beobachterin und Erzählerin: Felicitas Hoppe erkundet Länder und die Schichten der Wirklichkeit. Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Eilend, dringlich treiben die Sätze voran, in denen Felicitas Hoppe ihre scharfsichtigen Amerika-Beobachtungen konzentriert, aufs Äußerste verknappt und gleichzeitig ins Metaphysische ausschweifend.

Fünfeinhalb Wochen lang ist Felicitas Hoppe 2015 durch die USA gereist, mit einem literarischen Vorläufer im Gepäck. 1935 hatte die sowjetrussische Tageszeitung "Prawda", das Autorenduo Ilja Ilf und Jewgenij Petrow auf Amerika-Erkundung geschickt. „Ohne Führerschein und ohne Englischkenntnisse“, wie Hoppe schalkhaft bemerkt.

Das Reisebuch der beiden, Das eingeschossige Amerika, ist für Felicitas Hoppe Anlass zu Dialog und Spiegelung, zum Weiterspinnen und Befragen. Und in höchster Verdichtung lässt sie Wahrnehmung und deren Interpretation verfließen, wechseln Reportageeinsprengsel ins Essay oder ins Märchenhafte. „Ich mache gerne Dinge, die andere auch gemacht haben“, sagt leicht tiefstapelnd die Schriftstellerin. Literarisch ist sie immer wieder auf solche Reisen gegangen, die über die Erkundung des Ortes in die von Seelenlagen und Wirklichkeitsschichten hinüberfließen.

Henry Fords amerikanischen Traum deutet sie um in ein fantastisches Täuschungsmanöver, in dem arbeitslose Hollywood-Schauspieler „den einfachen Mann am Fließband mimen“. Und ein herannahender Twister lässt die Erzählerin Frau Eckermann in einer Nacht in Kansas neugierig bewegt aufs Dach steigen – und mit der Windhose entschwinden. Auch aus der eigenen Erzählung, erstmal.

„Wir kennen dieses Land nicht“, sagt Hoppe – und dass sie Amerika als ein Märchenbuch habe erzählen wollen. Und so ist Prawda, was nicht nur „Wahrheit“ bedeutet, sondern auch „Gerechtigkeit“, auch ein Versuch, die Klischees aufzubrechen.

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