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Kultur Fräulein Nette und die Romantiker
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10:00 27.10.2018
Von Ruth Bender
Karen Duve taucht tief und mit Begeisterung ins frühe 18. Jahrhundert. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Eigentlich, sagt Karen Duve, habe sie sie immer für eher altbacken und verstaubt gehalten: „Ein blutarmes Freifräulein, das auf der Wasserburg sitzt und Gedichte schreibt.“ Dass die so verkannte, bedeutendste Dichterin der deutschen Romantik, dann plötzlich im Sommer 1820 von zwei Männern gleichzeitig angeschwärmt wurde – das weckte die Neugier der Schriftstellerin und wurde Ausgangspunkt für ihren aktuellen Roman. „Ich bin da auf ein Geheimnis gestoßen“, sagt Karen Duve und hat noch ein kleines Goldgräber-Glitzern im Auge, dass aber vielleicht auch nur die Erkältung ist, mit der sie zur Lesung im übervollen Literaturhaus angekommen ist.

Eine traurig verzwickte Liebesintrige erzählt Duve von dem bürgerlich-protestantischen Straube, der sich in die streng katholische Adlige verknallt – für die standesbewusste Familie bei aller Zuneigung zu dem liebenswerten jungen Mann jenseits aller Vorstellung. Aber sie weitet das Porträt der Dichterin aus zum lebhaften Zeitbild, in dem von Straube bis zu den Brüdern Grimm und Heinrich Heine etliche der Geistesgrößen der Romantik ihren Auftritt haben.

„Zum Glück tratschten die Romantiker sehr gern übereinander“, sagt Karen Duve, der sich die Epoche im Laufe der Recherche und beim Lesen zahlloser Briefe und Tagebücher als munteres Netzwerk enthüllt hat. „Da hat sich enorm viel Material angesammelt – und plötzlich habe ich die Büchse der Pandora nicht mehr zugekriegt“, erzählt Duve. Davon kündet auch das 13-seitige Literaturverzeichnis. „Normalerweise spielt man im Roman ja ein bisschen der liebe Gott“, sagt sie irgendwann an diesem heiter inspirierenden Abend. „Hier aber habe ich gemerkt, dass es unheimlich Spaß bringt, an echten Menschen herumzuschreiben.“

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