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Kultur Der Mensch im Tierleben
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15:00 09.02.2018
Von Ruth Bender
Sie hat ein feines Gespür für die Sonderlichkeiten des Zwischenmenschlichen: Eva Menasse. Quelle: Björn Schaller
Kiel

„Ich sammle diese Tiermeldungen nach einem einzigen Kriterium“, sagt Eva Menasse, „ich habe nur die genommen, in denen auch eine Menschengeschichte steckt.“ Die von den Haien im Aquarium, die der beherzte Zoodirektor mit einem Sprung ins Becken und Sauerstoff vor der Rauchvergiftung rettete, gehört dazu. Ebenso wie die vom überfahrenen Opossum, das ein alkoholisierter Autofahrer verzweifelt wieder zu erwecken versucht. Oder die wissenschaftlich bedeutsame von den Enten, die gleichzeitig schlafen und wachen können. 

Eva Menasse hat ein feines Gespür für die Sonderlichkeiten in der Alltagsnormalität und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Dafür, wie sich Gefühle und Stimmungen in Sätze und Gesten schleichen, sich auf die Bedeutung legen. Wie über einen Halbsatz oder eine Handbewegung ganze Gesellschaftgefüge und Familienkonstellationen in Schieflage geraten. Nie sind es nur die Worte, die ihre Figuren sagen, immer liegt darunter etwas, das sich Bahn brechen will. Etwa wenn Tom, die Bienenfrau aus der ersten Geschichte, im andauernden stillen Clinch liegt mit ihrer Vorgängerin an der Seite von Ehemann Georg. Oder wenn Konrad, der ruppige Alte in Raupen, im Umgang mit seiner dementen Frau zwischen Zorn, liebevoller Erinnerung und Pragmatismus geschüttelt wird. 

In der Meldung von den Haien, sagt die Wienerin mit Wohnsitz Berlin, habe sie Dante’sche Qualitäten entdeckt. Ausgangspunkt für eine Geschichte von Familie, Schülermobbing und Rassismus, die zu jenen gehört, aus denen sie mit klarer klangvoller Stimme und charmantem Schmäh in Kiel vorliest. „Als ich sie geschrieben habe im Sommer 2014“, sagt sie, „gab es noch keine Flüchtlingskrise, keinen Brexit und keinen Trump. Und trotzdem erzähle ich davon, sieht man, dass die Themen schon viel länger in der Luft lagen.“ 

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