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Kultur Gefährdungslage an der Brombeerhecke
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19:00 17.10.2014
Von Maren Kruse
Auch zu Sprotten erzählt Luis Sezoes seine Geschichte. Foto ehr Quelle: Marco Ehrhardt
Eckernförde

Handschriftlich steht mit schwarzer Tinte ein englischer Text daneben, erklärend, aber auch sichtlich ironisch, denn die Gefährdungslage für Beerennascher ist in Wahrheit weit weniger brisant, als gemeinhin kolportiert. Die Arbeit ist Teil von Sezoes’ Serie „Food for Thought“, die der aus dem portugiesischen Evora im Alentejo stammende Künstler während seines Eckernförder Sommeraufenthalts als Recherche-Projekt realisiert hat.

 „Mich interessiert das Spezifische einer Region, ihre Identität“, sagt der Künstler, der nach Stationen über Lissabon, Porto und Rom seit einem guten Jahr in Hamburg lebt. Ziemlich riskant scheint für den Außenstehenden die Nahrungsbeschaffung in unseren Breiten zu sein. Eine andere Bildtafel zeigt vor dunklem Hintergrund einen bräunlichen Pilz, der in dieser digitalen Fotografie schon fast altmeisterlich wirkt. Unter der Texterläuterung fügt Sezoes die Abbildung eines sepiabraunen Atompilzes bei. Den dazugehörigen Text mit Verweisen auf Tschernobyl und die nachwirkende Strahlenbelastung kann mancher Pilzfreund hierzulande fast mitsprechen. Für den Portugiesen waren solche Erfahrungen aber ebenso neu wie die riesigen Ohrenquallen, die ihn am Strand von Eckernförde in Erstaunen setzten. Eine chinesische Zubereitungsart probierte Sezoes in der Küche des Künstlerhauses aus, um zu dem Geschmacksurteil „disgusting“ (abscheulich) zu kommen. Die Fotografie des Exemplars, das schillernd und transparent in die Kamera gehalten wird, hat ihre eigene Ästhetik, die zwischen Schauder und Schönheit oszilliert.

 Apropos Schönheit: Die Stadt Eckernförde hat sich als Eigentümerin des Künstlerhauses in der Ottestaße auf die Qualitäten des Jahrhundertwende-Baus besonnen. Der Umbau, den Architektin Monika Zabel vom Bauamt der Stadt plante und leitete, ist jetzt abgeschlossen und kann sich wirklich sehen lassen. Der zuvor arg verbaute und dunkle Ausstellungsraum im Erdgeschoss wurde zur Hofseite hin geöffnet und lässt nun großzügig das Nordlicht in den Raum. Die schmucke Fensterfront zur Straßenseite präsentiert sich innen mit grauer Holzvertäfelung und Heizkörperverkleidungen fast wie im Originalzustand. Dezente Deckenfluter belichten den 90 Quadratmeter großen, weißgestrichenen Raum mit den klaren Stuckprofilen. Die für den Raum investierten 45000 Euro sind ein Gewinn für Eckernförde und den Verein des Künstlerhauses, Otte 1, der am morgigen Sonntag hier mit Luis Sezoes die erste Stipendiaten-Ausstellung eröffnet.

 Künstlerhaus Eckernförde, Ottestraße 1. Eröffnung Sonntag, 11 Uhr. Bis 1. November, Mi-Sbd 15-18 Uhr. www.otte1.org 

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