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10:25 02.12.2017
Von Thomas Richter
Unverkrampft in pubertären Erfahrungswelten: Eva Maropoulos (Miriam) und Lucie Gieseler (Hannah). Quelle: Landestheater SH

„Schauspiel ist keine Lüge, Schauspiel ist gelebte Ehrlichkeit“, sagt der ansonsten penetrant kumpelhaft schwadronierende Sebba, der Leiter einer Theater-AG im Jugendzentrum, zu seinen Schülerinnen Hannah und Miriam. Dummerweise sind sich die beiden Mädels von Anfang an spinnefeind. Die verwöhnte Hannah, Tochter eines finanziell erfolgreichen Immobilienhändlers, und die schnoddrige Miriam, auf der sozialen Hackordnung deutlich tiefer stehend, lassen kaum eine Möglichkeit aus, sich in die Wolle zu kriegen: da geht es um Stress mit den Eltern, dem häuslichen Umfeld, der ersten Liebe, der eigenen Unsicherheit, dem Aufbegehren, der Wut, die zuweilen nicht zu bändigen ist.

Unter der großartigen und vor Ideen nur so sprudelnden Regie von Lisa van Buren spielen als Gast-Schauspielerinnen Lucie Gieseler (Hannah) und Eva Maropoulos (Miriam) nicht nur ihre eigenen Figuren fulminant, sondern verkörpern auch alle anderen Personen des Stücks. Das passiert ganz unverkrampft und ist weithin sehr lustig.

Dann ist sie irgendwann da, die Nacht in der „ ...alles kaputt ging“, wie die Protagonistinnen den Titel des Stückes letztendlich ergänzen. Weil zu Hause nichts mehr geht, hauen beide ab und treffen sich unverhofft im „geilsten Underground-Punk-Schuppen der Welt“, dem Lieblingsort von Kilian. Es kommt zum finalen eruptiven Befreiungsschlag, bei dem sich die Mädchen die Wut, die Enttäuschung, den Frust, die Traurigkeit, aber auch die Hoffnung und ihr neues Selbstbewusstsein aus dem Leib schreien. Um damit schließlich zueinander zu finden. Wunderbar verschachtelt, lebhaft und durchwoben von vielen klugen Ideen erzählen Wendt und van Buren diese Geschichte. Das spiegelt sich auch im klugen und bühnenwirksamen Bühnenbild von Julia Scheeler.

Weitere Vorstellungen: Mi. 6.12. (Flensburg, kleine Bühne) und 14.12. (Schleswig, Trauminsel), jew. 18 Uhr. Auch als mobile Produktion buchbar. Tel. 04331/1400352 oder mobil@sh-landestheater.de

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