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Bissiges, harmlos verpackt

Martin Herrmann Bissiges, harmlos verpackt

Was für Moderatorin Inka Bause ein erfolgreiches Show-Konzept, ist Martin Herrmann beste Steilvorlage für sein Kabarettprogramm. „Keine Frau sucht Bauer!“ heißt der „Jahresrückvorausblick“, mit dem der selbst ernannte Frauenflüsterer wieder durchs Land tourt. Eindrücke aus dem Lutterbeker.

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Frauenflüsterer in rustikaler Kluft: Martin Herrmann im Lutterbeker.

Quelle: Björn Schaller

Lutterbek. Filzhut und rotkariertes Hemd an der Bühnengarderobe taugen Herrmann dabei immer wieder als rustikale Verkleidung. „Was treibt die Frau aus der Stadt in die Arme eines wildfremden Bauern?“ Treu schaut er dabei ins Publikum im gut besuchten Lutterbeker und fragt insbesondere die Damen: „Na? Tut sich schon was?“ Wenn es doch so einfach wäre.

Die volkstümelnde Kluft wird dann auch schnell wieder an die Garderobe verbannt, in coolem Schwarz fühlt sich der Mann einfach besser. Die Hände zur Merkel-Raute geformt,  stammelt er sich in gespielter Fahrigkeit durch sein großes Themenpensum. Fake News, AfD, Bahn- und Kita-Streiks: Allerhand ist faul in der Republik und Herrmann nimmt die Dinge pointiert aufs Korn. 

Zu besonderer  Form läuft der  Redakteur und Mitherausgeber der Zeitschrift „Pardon“  auf, wenn er zur Gitarre greift. In harmlose Reimen und einfache Melodien verpackt er seine bissigen und bitterbösen Alltagsbeobachtungen. Mit Blick auf meuternde Schlangen an der Supermarktkasse  dichtet er  Georg Kreislers „Tauben vergiften im Park“ um in „Trauben vergiften bei Rewe“, virtuos ist sein Spiel auf der „tibetanischen Taschenharfe“, der er trotz ihrer Ähnlichkeit mit einen schnöden Eierschneider fernöstliche Klänge entlockt. Und wer sein Lied vom „Warmbadetag“ gehört hat, wird es sich gut überlegen, ob er einen derartigen Termin im Schwimmbad je (wieder)  wahrnehmen sollte. Begeisterter Applaus.

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Ein Artikel von
Sabine Tholund

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