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Kultur Mit Selbstironie gegen Selbstoptimierung
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12:47 18.03.2019
Von Beate Jänicke
Martina Brandl trat im Kieler Kulturforum auf. Quelle: Björn Schaller
Kiel

„Wieder was mit Sex“ heißt das neue Programm der Komikerin Martina Brandl. Aber dass hier nur schlichte Beischlafscherzchen gerissen werden könnten, steht nicht zu befürchten. Sicher - „Sex sells“ - das weiß auch Brandl. Schließlich hat sie schon seit ihrem zweiten Solo-Programm „Kommen müssen Sie selbst!“ mit diesem Thema gespielt, es als Steilvorlage genommen, um Ärgernisse und Aufreger zu verpacken. Auch Martina Brandls erster Roman, der sich 22 Monate in der Spiegel-Bestseller-Liste hielt, hieß schließlich „Halbnackte Bauarbeiter“.

Das Jonglieren mit der Meta-Ebene macht Brandl so schnell keiner nach. Die (Selbst-) Ironie auch nicht. Zum Sex-Motto des Programms versetzt sie Richtung Publikum: „Ich kriege davon zu wenig – so wie ihr auch!“. Zum Thema der grassierenden Selbstoptimierung spottet sie, auch sie habe alles in ihren Körper gesteckt: Nur sei eben kein Sixpack dabei herausgekommen, sondern sie habe „mehr so alles in einen Beutel getan“: „Von dem Geld hätte ich bauen können.“ Dieses Spielen mit der eigenen Körperlichkeit macht Martina Brandl aus.

Eine ganz andere, leise Seite zeigt Martina Brandl im Song, der von ihrem Wunsch erzählt, nach Hause zu kommen. „Ich brauche vom Hiersein ´ne Pause“, singt sie da zur zart gezupften Ukulele. Erst geht es darin nur um einen missglückten Urlaub, dann um das Deutschland mit der AFD und am Ende um eine alte Frau, die im Altenheim ans Bett gefesselt ist. Das Publikum sparte nicht mit dem hoch verdienten Applaus.

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