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Kultur Maryse Condé erhält den alternativen Literaturnobelpreis in Stockholm
Nachrichten Kultur Maryse Condé erhält den alternativen Literaturnobelpreis in Stockholm
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12:36 12.10.2018
30.000 Leser aus aller Welt stimmten über die Nominierungsliste des Alternativen Literaturnobelpreises ab. Quelle: Silas Stein/dpa
Stockholm

In Stockholm hat die Neue Akademie den alternative Literaturnobelpreis in der Stockholmer Staatsbibliothek vergeben. Die vierköpfige Jury unter Vorsitz der schwedischen Journalistin Ann Palsson hat der Schriftstellerin Maryse Condé aus Guadeloupe die Auszeichnung verliehen. Der Preis wurde in diesem Jahr einmalig anstelle des Literaturnobelpreises vergeben, der wegen einer Krise der Schwedischen Akademie abgesagt wurde. Die Neue Akademie nennt ihren Preis den „New Academy Prize in Literature“.

Maryse Condé ist eine große Geschichtenerzählerin, die ihren Platz in der Literaturgeschichte hat“, so die Begründung der Jury. In ihrer Arbeit beschreibe sie die den Kolonialismus und das Chaos des Postkolonialismus. In ihrer Welt sei Magie, der Traum, Terror – und Liebe – stets allgegenwärtig. Fiktion und Realität gehen ineinander über. Mit Respekt und Humor erzähle sie vom postkolonialen Wahnsinn.

Maryse Condé: „Sehr glücklich über den Preis“

„Ich bin sehr glücklich über den Preis. Aber ich möchte etwas sagen – zusammen mit den Menschen aus Guadeloupe“, sagt Maryse Condé in einer Videobotschaft, die bei der Preisverleihung gespielt wurde. „Guadeloupe ist ein kleines Land, das nur bei Hurricanes oder Erdbeben erwähnt wird. Und nun wird es für etwas anderes anerkannt. Das macht mich stolz und ich freue mich, den Preis dafür anzunehmen“, so Condé.

Bis zuletzt standen auf der Shortlist ebenfalls die gebürtige Vietnamesin Kim Thúy, die als Zehnjährige als Bootsflüchtling nach Kanada kam und Heimat ihr großes Thema nennt oder der britische Autor Neil Gaiman, der in seinen psychologisch tiefgründigen Science-Fiction und Fantasy-Geschichten auch die Wirklichkeit beleuchtet. Ein Autor, der über Frauen und vor allem Männer in der Welt schreibt, sei die Grundvoraussetzung für die Preisvergabe gewesen. „Das ist eine recht weit gegriffene Defintion, aber alle Nominierten sind so einzuordnen“, sagt Jury-Präsidentin Ann Palsson.

Das Leben der 81-Jährigen – aufgewachsen auf Guadeloupe, Studium in paris – Leben in New York

Der 81-jährige Autorin mit karibischen Wurzeln veröffentlichte 1984 den Bestseller „Segu – Die Mauern aus Lehm“. Für den Roman wurde sie später mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet, der an Autoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben wird. Anregungen zu der Geschichte über Familie, Ethnien, Religionen und den Untergang der Stadt Segu, hatte Condé, die viel in Westafrika unterwegs war, in Mali gesammelt.

Weitere Romane sind „Ich, Tituba, die schwarze Hexe von Salem“ (1986, dt. 1988), „Unter den Mangroven“ (1989, dt.1991) und „Insel der Vergangenheit“ (1997, dt. 2001). Condé schrieb auch Kinderbücher, Theaterstücke und zahlreiche Essays.

Maryse Condé wurde als jüngstes von acht Kindern 1937 auf der Karibik-Insel Guadeloupe geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft in Paris, arbeitete in den 60er Jahren an verschiedenen Schulen und Sprachinstituten in Guinea, später in Ghana und im Senegal. Nach Lehrtätigkeiten an der Pariser Sorbonne in den 80er Jahren unterrichtete sie französischsprachige afrikanische Literatur an der Columbia University in New York.

Mit ihrem zweiten Ehemann, dem Übersetzer Richard Philcox, lebt sie heute abwechselnd in New York und auf Guadeloupe.

Haruki Murakami wollte den Alternativen Literaturnobelpreis nicht

Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami bat in einer Email an die Neue Akademie darum, seinen Namen wieder von der Shortlist streichen zu lassen. Er will sich wohl die Chance auf den richtigen Preis nicht vergeben, zu dessen Favoriten er Jahr für Jahr zählt.

Mehr als 100 schwedische Schriftsteller, Theaterleute und Wissenschaftler haben in Schweden die Neue Akademie gegründet und das Preisgeld von 100.0000 Euro über Crowdfunding gesammelt. Sie ließen Bibliothekare insgesamt 47 Favoriten nominieren, auf der Liste standen für den herkömmlichen Nobelpreis gehandelte Autoren wie die Friedenspreisträgerin Margaret Atwood oder Amos Oz neben populären Schriftstellerinnen wie J.K. Rowling oder der Punkrockerin Patti Smith, deren Auszeichnung an den Vorjahrespreisträger Bob Dylan angeknüpft hätte. Mehr als 30.000 Leser aus aller Welt stimmten im Internet ab.

Autoren sollten nicht den Preis dafür zahlen, dass die Schwedische Akademie wegen eines Korruptions- und Belästigungsskandal gelähmt war, sagte Alexandra Pascalidou, Mitbegründerin des Preises bei der Verleihung. Deswegen riefen sie den neuen Preis aus. „Wir wollten etwas demokratischeres und mehr Transparenz“, sagte sie. Deswegen seien die Leser zur Abstimmung aufgerufen worden.

Weitere Informationen zum Skandal in der Schwedischen Akademie:

+++ Verurteilt wegen Vergewaltigung – Arnault geht in Berufung

+++ Nobelpreisdrama – Selbstzerfleischung in Stockholm

Weitere Informationen zum Bücher-Herbst

+++ Interaktive Lesekarte für den Bücher-Herbst

+++ Gastbeitrag von Helene Hegemann: Was sollten wir unbedingt lesen?

+++ In der Sackgasse: Die rechten Verlage auf der Frankfurter Buchmesse

+++ Rowohlt bei der Frankfurter Buchmesse: Verlegerstreit und ein Porno-Roman

Von RND / goe / dpa / epd

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