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Kultur Operndoppel: Fesselnde Kleinstadt-Dramen
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14:45 21.01.2018
Volksfest vor der Kirche: Der Bajazzo Canio (Adrian Xhema mit der Fahne) im Trubel. Quelle: Henrik Matzen

Einer Lola sind schon ganz andere Verfallen: Der junge sizilianische Bauer Turriddu hat zwar in Santuzza eine heißblütige Geliebte, fliegt aber auch auf den blauen Engel des Fuhrmanns Alfio. Ausgerechnet am Ostermorgen eskaliert die Situation. Die eifersüchtige Santuzza steckt Alfio den skandalösen Bruch seiner Ehe. Es kommt, wie könnte es auf einem Dorf unter mediterraner Sonne auch anders sein, zum tödlichen Messerduell um die Bauernehre: Cavalleria rusticana.

In einem einzigen Akt, unterbrochen von einem weihgeräucherten österlichen Orchesterintermezzo, hat der toskanische Komponist Pietro Mascagni die sizilianische Novelle konzentriert. Die Oper zählt zum italienischen „Verismo“, ist damit als musikalisches Pendant in etwa vergleichbar mit den Naturalismus-Dramen eines Gerhart Hauptmann, die zeitgleich ebenfalls schonungslos bestimmte Milieus beleuchteten. Gleichwohl mochte Mascagni auf betörend süffige Melodien und üppige Orchesterfarben bei seinem Sittengemälde nicht verzichten. Und das Landestheater zu Recht nicht auf die ungebrochene Wirkungsmacht derselben – in typischer Kombination mit dem letztlich noch kunstvoller, psychologisch noch präziser geschnittenen Eifersuchtsdrama I Pagliacci (Der Bajazzo) von Ruggiero Leoncavallo.

Flensburgs GMD Peter Sommerer meidet mit dramatisch forschem Ansatz jedwede Sentimentalitäten. Die SH-Sinfoniker finden nach und nach zu immer dichteren Klängen; mit zwei auf dem Proszenium sinnfällig herausgehobenen, weil klangfarblich wichtigen Harfen. Der große Chor glänzt in der Osternacht und kommt im Bajazzo nur als allzu aufgeregtes Theaterpublikum ins Stolpern.

Der Regisseur Markus Hertel steuert ein durchweg überzeugendes, ja begeisterndes Sängerensemble ganz präzise anschaulich durch eine Bilderbuch-Inszenierung. Über die Einheitsbühne von Ausstatter Martin Fischer, eine ärmliche Kleinstadt-Idylle vor dem obligatorischen Kirchenportal, weht zumindest ein Hauch von Neorealismus des italienischen Nachkriegskinos.

Der albanische Tenor Adrian Xhema hat sowohl den schwelgerischen Schmelz für das „Mamma“-Söhnchen Turiddu wie die heldischere Bitterkeit und den Jähzorn des betrogenen Bajazzo in der Kehle. Mit viel Bühnenpräsenz ist er in beiden Opern Dreh- und Angelpunkt. Die Santuzza der amerikanischen Mezzosopranistin Julia Mintzer bringt eine schön herbe, glutvolle Note ein. Der kantige Bariton Kai-Moritz von Blanckenburgs passt bestens zum buckligen Rächer Tonio, packt aber auch untadelig den berühmten Bajazzo-Prolog und den Stolz Alfios bei den Hörnern. Die deutsch-israelische Sopranistin Talia Or lässt bei ihrem Nedda-Debüt nicht nur das gefürchtete Vogel-Lied federleicht glitzern. Sie hat auch die tödlich unschuldige Lulu-Ausstrahlung. Großer Premierenjubel in Flensburg.

Termine am 23. Januar, 4. und 24. Februar, 16., 27. und 31. März  (Flensburg); 11. Februar, 3. März und 7. April (Rendsburg). www.sh-landestheater.de

Von Christian Strehk

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