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Kultur Michael Patrick Kelly begeistert Kiel
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12:53 02.12.2018
Von Thomas Richter
Michael Patrick Kelly live in der Sparkassen-Arena Kiel. 4000 Fans waren begeistert. Quelle: Manuel Weber
Kiel

Der erste Eindruck

Mit dem satt rockenden Lazarus als Opener gab Kelly auch gleich die Marschroute für einen absolut mitreißenden Abend. Der Star, der im wahren Leben viele Höhen und Tiefen erlebte und zur sprituellen Selbstfindung gar einige Jahre im Kloster verbrachte, singt den Eröffnungknaller liegend, voller Inbrunst. Erhebt sich dann langsam. So wie es zum Titelhelden des Songs, jener von den Toten auferweckten Bibelfigur, eben passt. Pathos? Klar. macht aber nichts. Denn die Wucht des Auftritts speist sich aus der postiven, schwerelosen Energie zwischen Künstler und Publikum. Deswegen kann Kelly auch weitgehend auf den handelsüblichen Bühnenklimbims verzichten. Es reichen drei Videowände, gutes Licht, eine exquisite, sehr tight musiziernde Band, ein hervorragender Sound und ein inspirierter, nahbarer Star.

Die Musik

Der Blick zurück reichte für einen ausgespielten Kelly-Family-Song (Ares qui) und ein kurzes, inmitten der Zuschauer vorgetragenes Medley  mit – natürlich – An Angel (Kelly: „In vier Minuten habt ihr es hinter euch“). Ansonsten beherrschten natürlich die Titel aus der Hit-Platte iD die Setlist. Nicht nur weil die  Scheibe mittlerweile in drei Ausgaben („iD“, „iD - Extendend Version“ und „iD-Live“) im Plattenladen steht, sondern auch Kellys bei weitem größter Solo-Erfolg ist.  Neben dem breit ausformulierten Titeltrack dominierten eingängige, melodiös groovende  Uptempo-Nummern mit Hang zum Hymnischen und „Eeh-eeh-oh“- Mitsing- Refrains. Wie gemacht also für eine Sport-Arena (Golden Age, A little Faith, New Spirit, Friends R Family).

Packend, dramturgisch sauber gebaut und in filmmusikartige Streicher-Opulenz gepackt gefallen Power-Balladen wie Higher Love und Requiem. Letzters besingt die „Dark Side Of Rock 'n' Roll“ und huldigt den viel zu früh verstrorbenen Säulenheiligen des Rock, während auf den Projektionswänden erst deren Porträts dann die Namen flimmern; von Elvis bis Michael Jackson, von Sid Vicious bis Amy Winehouse, von Tupac Jakur bis John Lennon...

Last Words ist eine zunächst bluesig angehauchte, sich dann ins Pompöse steigernde Hymne, deren Text, ebenfalls für alle lesbar, doch ein wenig irritiert: „I killed the president, because he was an enemy of the people.“ Vielleicht sollte man das unter „Heiliger Zorn“ abbuchen. Wuchtig ist das Ding auf jeden Fall.  Mit Shake Away, das deutlich an Bruce Springsteen erinnert, Flag und Happiness aus dem Album Human sowie dem kernig krachenden Rocker No Fuzz No Buzz Back To Rock 'n' Roll (aus In Exile) gab Kelly dann doch auch eine wenn auch kleine Werkschau von Songs, die jenseits seiner iD entstanden sind. 

Das Publikum

Aus dem Häuschen... und offenbar gut vorbereitet. Nicht nur, dass beinahe jeder Refrain tadellos mitgesungen wurde. Wie auf ein unhörbares Kommando verwandelte sich die Halle beim Pfadfinder-Pop Schmankerl Flag tatsächlich in ein Fahnenmeer. Die Fans schwangen mitgebrachte Flaggen und Bahner verschiedener Länder und erzeugten einen der vielen atmosphärisch starken Momente dieses Konzerts. Auch die für ein Rock-Pop-Konzert ungewöhnliche „Schweigeminute für den Frieden“ am Ende des Marc-Forster-Covers Flüsterton wurde nicht unterbrochen. Davor und danach gab's ja genug zu feiern.

Was in Erinnerung bleibt

„Who am I, who are you, who are we? All human beings“ Groß prangen die Zeilen aus iD am Ende des Konzerts auf der Bühne. Und die Identidetsfindung vor den Augen tausender Fans funktionierte einwandfrei.  Der Abend hatte es in sich. Dieses Paar Schuhe scheint Michael Patrick Kelly wirklich zu passen

Fazit

Der im Fernsehen, auf der Bühne und auf Musik-Plattformen omnispräsente Sänger rennt mit Volldampf in sein neues Leben. Da ist sicherlich viel wirtschaftliches Kalkül dabei, wird der biografische Bogen zuweilen überspannt, werden die himmlischen Mächte zu oft besungen. Sei' s drum. Michael Patrick Kelly sollte so weitermachen. Es scheint ihm und den Leuten zu gefallen.

Michael Patrick Kelly live in der Sparkassen-Arena Kiel. 4000 Fans waren begeistert.
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