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Kultur Baden in Licht und Schatten
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17:01 17.07.2015
Von Maren Kruse
Nan Hoover: Still Movement, 1980. Die Amerikanerin, die seit 1969 in Amsterdam und seit 2005 bis zu ihrem Tod 2008 in Berlin lebte, war eine Pionierin der Video- und Performancekunst. Quelle: hfr
Alkersum

Die Amerikanerin, die nach dem Malereistudium Ende der 60er Jahre von Washington D.C. nach Amsterdam umzog, gilt als Pionierin der Licht-, Video- und Performancekunst. Die drei Schlagworte im Titel umreißen die großen Themen im Werk der gebürtigen New Yorkerin. „Es geht um das Draußen. Hoover spielt mit dem Licht und der Zeit, alles verlangsamt sich“, so Christiane Morsbach, die diese erste umfangreiche museale Einzelausstellung Hoovers in Norddeutschland gemeinsam mit der Nan Hoover Foundation Amsterdam eingerichtet hat.

 Flora heißt ein Video im Glasgang des Museums. Gezeigt wird eine Blüte, über die das Sonnenlicht wandert. Zunächst glaubt man, ein Foto zu sehen, denn kaum merklich sind die Veränderungen, die der Wechsel des Lichts auf die Blütenblätter malt. Ähnlich verhält es sich bei La Luna, einer wandfüllenden Projektion, die den Betrachter unweigerlich frösteln lässt: Durch das grafisch anmutende Geäst düsterer Bäume schickt ein neblig verhangener Mond sein kaltes Licht, während er in Zeitlupe durch das Bild wandert. Die Grenze zwischen Video, Fotografie und Zeichnung ist in dieser weltberühmt gewordenen Arbeit von 2002 fließend – zu vergleichen anhand einer Auswahl von Fotografien und Kohlezeichnungen, die die Schau bereichern.

 Die Fotos, darunter zwei ungewöhnlich inszenierte Selbstporträts, baden im scharfen Kontrast von Licht und Schatten. Schwarzweißaufnahmen fangen das strahlende Licht im Dickicht von Baumkronen ein – ein Motiv, das in meditativen Zeichnungen mit grafisch abstrahierten Naturformen wiederkehrt. „Ich bin eine Malerin“, wird die Künstlerin auf einer Schautafel zitiert. „Was ich mache, ist mit den Augen einer Malerin gesehen, ausgeführt mit unterschiedlichen Medien.“ Dabei kann der Betrachter sich oft nicht sicher sein, was er eigentlich sieht. Water heißt ein Video, dessen Bilder von flackernden Lichtreflexen auf einer schimmernd bewegten Oberfläche zunächst züngelnden Flammen gleichen. Gestützt durch glucksende Geräusche wird die Zuordnung bald eindeutig. Der verblüffende Eindruck von der optischen Nähe zwischen Feuer und Wasser bleibt.

 Um das Thema Wasser geht es auch in einer zweiten Ausstellung. Allerdings auf ganz andere Weise. Low Tide. Japan nach dem Tsunami präsentiert erstmals in Deutschland die im „New York Times Magazine“ publizierte, mit dem dritten Preis des „World Press Photo“ 2012 ausgezeichnete Fotoserie von Denis Rouvre. Zweimal reiste der Franzose nach der Katastrophe vom März 2011 in die Region, von deren Verwüstung seine seltsam stillen, menschenleeren Aufnahmen eindrucksvoll Zeugnis ablegen. Auch die Überlebenden hat er besucht. Einige erzählten ihm ihre Geschichte und ließen sich fotografieren. Ihren großformatigen Porträts vor schwarzem Hintergrund kann man sich kaum entziehen. Auf Augenhöhe sieht man in die zerfurchten, aber stolzen Gesichter von Menschen, die vielleicht alles verloren haben. Nur nicht ihre Würde.

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