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Kultur Musikereignis zwischen Kunst und Religion
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19:00 13.07.2014
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Matthias Janz. Quelle: KN-online
Flensburg

Stand schon bei der Uraufführung dieses machtvoll-lyrischen Werkes im Jahre 1836 ein relativ kleines Orchester einem Riesenchor gegenüber, so entschied sich Matthias Janz für eine modifiziert ähnliche Lösung: das in historischer Manier musizierende Elbipolis Barockorchester Hamburg bildete die Klangbasis für die bewährte Kombination vom Flensburger Bach-Chor mit dem Symphonischen Chor Hamburg.

 Als Ergebnis dieser scheinbar vokalen Dominanz vernahm man eine optimale klangliche Balance zwischen Chor und Orchester bei durchgängig bester Textverständlichkeit sowie eine filigrane Transparenz in den zahlreichen lieblichen, melodiegesättigten Chor-Passagen. Furchterregend hingegen der Fortissimo-Furor entfesselter Volksmassen bei ihren „Steiniget ihn“-Rufen, die Matthias Janz seinem hellwachen Riesenchor als waffenscheinpflichtiges Präzisionsgeschrei abforderte. Dazwischen immer wieder wohlklanggesättigte Choräle in der romantischen Färbung des Bach’schen Vorbildes, die vom ständig changierenden, aufgerauten Klangbild des engagiert aufspielenden Orchesters prächtig gestützt wurde.

 Dazu erlebte man mit der bestens aufgelegten Johanna Winkel, dem Edel-Tenor Werner Güra und einem stimmgewaltigen Roman Trekel in der Titelpartie ein exquisites Solistenterzett, das ganz im Sinne Mendelssohns sowohl Wohlklang als intensive Betroffenheit zu verströmen wusste.

 Insgesamt eine schlüssige Werksicht mit verblüffenden dynamischen wie klanglichen Schattierungen, die formaler Strenge in Kombination mit romantischem Gefühlsüberschwang auch für heutige, säkularisierte Zeiten zum überzeugenden Musikereignis zwischen Kunst und Religion machte. Letztlich kam so unter einem suggestiv agierenden Matthias Janz eine Wiedergabe von exemplarischer Gültigkeit zustande. Dankbarer Schlussjubel!

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