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Kultur Suchtpotenzial im Metro in Kiel
Nachrichten Kultur Suchtpotenzial im Metro in Kiel
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08:59 12.02.2018
Von Thorben Bull
Suchtpotenzial zeigten in Kiel Spielfreude. Quelle: Michael Kaniecki

Auf der Bühne einem Handlungsrahmen folgen zu müssen, zwang die Damen in ein Korsett, das sie wohl ihrer wahren Natur beraubte. Als aufgedreht-flippiges Duo namens Suchtpotenzial können Martin und Müller ihrer albernen, verspielten Ader im Musikkabarett nämlich freien Lauf lassen.

„Wir sind zu fett fürs Ballett und zu teuer für den 50. deines Vaters“, singen da Martin und Müller mit voller Überzeugung. Für die musische Begleitung an Klavier und Gitarre sorgt Müller, während Martin hauptsächlich singt und obendrein mit Händen und Füßen verdeutlicht. Suchtpotenzial arbeiten in ihrem Programm „100 Prozent Alko-Pop“ mitnichten einfach nur eine Nummer nach der anderen ab. Sie geben sich vielmehr absichtlich dilettantisch, unterbrechen etwa mitten im Song, um über Textpassagen zu diskutieren oder schnell noch drollige Definitionen loszuwerden. „Mundharmonika. Benannt nach einer Monika mit viel Mundbehaarung, durch die sie virtuos blasen konnte“, ist sich Ariane Müller sicher.

Von richtigen Songs kann daher nur bedingt die Rede sein. Müssens aber auch gar nicht sein. Stattdessen gleiten Suchtpotenzial fast unbemerkt plaudernd in das nächste Thema. Insbesondere die modernen Phänomene der Gegenwart wie Hipstertum, Gangsta-Rap oder die MeToo-Bewegung bekommen dabei reichlich Seitenhiebe verpasst. Das Duo harmoniert prächtig. Man kann sich richtig vorstellen, wie die Erfinderinnen des „Alko-Pop“ auch in ihrer Freizeit zusammen Schabernack treiben und sich über jegliche Klischees auslassen. Das Understatement vom Beginn ist da schnell wieder vergessen.

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