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Kultur The Kooks – Die Sonneproppen des Britpop
Nachrichten Kultur The Kooks – Die Sonneproppen des Britpop
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06:01 31.08.2018
Ein Sommeralbum kurz vor dem Herbstbeginn: Die Kooks sind immer noch (v. l.) Hugh Harris, Luke Pritchard, Alexis Nunez, Peter Denton. Quelle: Andrew Whitton
Brighton

„Wenn die Nacht vorbei ist / und die Wirkung der Drogen verklungen / hast du nur noch dein vierblättriges Kleeblatt / das du in deinem Mantel versteckst“, singt Luke Pritchard im Song „Four Leaf Clover“. Es geht um die ungeliebten Ernüchterungen, um das Wissen, dass der liebste Mensch weg ist, aber auch um den unkaputtbaren Glauben an ein besseres Morgen. Die Kooks aus Brighton sind wieder da – mit der musikalischen Entsprechung eines Glückskleeblattes. Die Gitarre macht ihren Jinglejangle, der Sänger lässt seine Stimme so juvenil juchzen, kieksen, glucksen, als wäre Pritchard immer noch 19 Jahre alt.

Die Zeiten des Electrogospel sind vorbei

Nach dem für sie eher ernüchternden Albumvorgänger „Listen“ von 2014, dessen vergleichsweise experimentelle Erweiterung des Popsounds um Gospel und Electro die 2004 gegründete Band einige Fans kostete, kommen die Kooks mit vertrauten Sounds zurück. Der Titel des fünften Albums ist erneut affirmativ: „Let’s Go Sunshine“.

Davon glaubten wir, dieses Jahr eigentlich genug gehabt zu haben, aber jetzt hätten wir schon noch gern einen goldenen Herbst. Akustischen Sonnenschein liefern die Kooks: süffige Songs, supermelodisch, hitverdächtig. Tanzen kann man dazu meist auch noch.

Wir erinnern uns noch an die Britpopwelle von 2004, als die Kooks (deutsch: Exzentriker) dreinfuhren, um Indie-Könige wie die Kaiser Chiefs und Franz Ferdinands zu stürzen. Nach dem Auftaktsong des Debüts, dem folkig-luftigen „Seaside“, in dem ein Kerl fadenscheinig seine Untreue rechtfertigte, brach mit „See the World“ Windchens Bruder Sturm los. Die Gitarren clashten, und Luke Pritchards Stimme begann ihren weltvergessenen Tanz auf der Rasierklinge. Der „Sofa Song“ klang wie ein Knicks vor Iggy Pop, die Single „Eddie’s Gun“ wie XTC mit Düsenantrieb, die Gitarre von „Time Awaits“ nach Säbeltanz.

„Es sollte unser ,Rubber Soul‘ werden ...“

Als sie dann 2015 erneut ohne Vorarbeit ins Studio gingen, um ihren „Listen“-Weg weiter zu beschreiten, kam bald die Erkenntnis, dass man sich damit zu weit von sich selbst entfernen würde. „Also haben wir alles verschrottet und setzten auf Neuanfang“, sagt Pritchard. Die neue Mission: mit den besten Songs, die er je geschrieben hatte, zur Band zurückzukehren. „Es sollte unser ,Ruber Soul‘ werden, unser ,Lola‘, unser ,Definitely, Maybe‘“. Beatles, Kinks und Oasis – hohe Messlatten.

Mit Hugh Harris’ flinken Gitarren, dem groovenden Bass von Peter Denton und den swingenden Beats von Alexis Nunez geht es 2018 inhaltlich von der verlorenen Liebe Richtung Neuaufbruch, vom Regenguss zum blauen Himmel. Da ist der Handclap-Folk von „Honey Bee“, der Pomp-Pop von „Initials for Gainsbourg“ und der wieselflinke, bockige Punk-Rock-’n’-Roll von „Pamela“. Es folgen die bombastische Hymne „Swing Low“ und das sacht jazzelnde „Weight of the World“.

Zwar könnte der Albumtitel auch mit „Lass uns verschwinden, Sonnenschein“ übersetzt werden, aber das Album schließt im schlendernden „No Pressure“ zu Hugh Harris‘ perlender Gitarre mit der Botschaft: „We’re just having a good time.“ Also: Aufbruch Richtung Sonne, alles wird gut. Erst letzte Woche hat sich Pritchard mit der Sängerin Ellie Rose verlobt.

Eine Sound-Versicherung gegen innere Bewölkungen

Die verschwundenen Kooks-Fans werden wohl auch mehrheitlich zurückkehren, weil diese Songs einem die Seelensonne anknipsen wie „Here Comes the Sun“ von den Beatles oder „Sunny Afternoon“ von den Kinks. Die Fünfte der Kooks ist eine Sound-Versicherung gegen innere Bewölkungen, mit dieser Musik auf dem Ohr ergeht es einem, wie es die im selben Soundspektrum musizierenden Neuseeländer Crowded House 1991 versprachen: „Everywhere you go, you always take the weather with You – Wo du auch hingehst, du nimmst das Wetter immer mit.“

The Kooks: „Let’s Go Sunshine“, (Lonely Cat) – erscheint am 31. August.

Von Matthias Halbig / RND

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