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09:30 06.11.2008
Heinz Rudolf Kunze und seine Lebensgef
Hamburg

Der Mann, der seit 28 Jahren vor Publikum in großen und kleinen Konzertsälen steht, gibt sich an diesem Abend locker: Jeans, schwarze Lederjacke, schwarzes T-Shirt mit dem Aufdruck "HRK Bühnendiva". Aber seine zusammengepressten Lippen und der hohe Meharis-Zigarillo-Konsum verraten ihn: Heinz Rudolf Kunze ist angespannt.

Es ist ein Abend im Hamburger Gaga-Studio, dem früheren Studio von Otto Waalkes. Einige der 15 Lieder des neuen Albums sind noch nicht ganz fertig gemischt, doch Kunze will sie im kleinen Kreis präsentieren: den Ohrwurm Längere Tage, das raue Antikriegslied

Astronaut in Bagdad (beide Titel werden am 13. November als Single erscheinen), das gefühlsstarke Ein besonderer Tag, das selbstironische Auf einem anderen Stern, seine menschenfreundliche Hymne an die Menschenfeindlichkeit Aber Menschen, das nach eigenem Befinden inhaltsschwere Herzstück des Albums Frei zu sein, die Hardrock-Nummern Wir sind dagegen - nicht die Welt sowie

Selbst ist die Zerstörung und weitere Lieder, voll gepackt mit gereimten Gefühlen. Man erlebt den sanftesten und den härtesten Kunze aller Zeiten auf einer Scheibe. "Weil ich mit sehr jungen, kreativen Musikern zusammenarbeite", sagt er, "klar, dass wir dieses großartige Potenzial nutzen."

Nach jedem Lied gibt\'s Beifall im Studio, Kunze wirkt zunehmend entspannter, lacht, rockt mit und umarmt später abwechselnd seinen Gitarristen Jörg Sander, der am Vorabend noch mit Udo Lindenbergs Panikorchester auf der Bühne stand, seinen Bassisten und neuen Produzenten Lenard Schmidthals, den Gitarristen und Keyboarder Zoran Grujovski und den Toningenieur Marc Schettler. Und dann sitzt er mit Gabi, wie er sie nennt, auf dem Sofa im Vorraum und unterhält sich leise mit ihr.

Nach 26 Ehejahren hat sich Heinz Rudolf Kunze im vergangenen Jahr von seiner Frau Gisela - mit der er zwei Kinder hat - getrennt. "Das Verhältnis ist sachlich", erklärt er, "das Scheidungsverfahren läuft." Und danach, so viel sei sicher, werden Gabi und er heiraten, ob nur standesamtlich oder auch mit kirchlicher Trauung, wisse er noch nicht.

Gabriele Krause ist Managementberaterin von Beruf, stammt aus der DDR, wuchs in Ostberlin auf, lebte in Jena, bevor sie zu Kunze nach Hannover zog. Und jetzt ist es so, dass der gestandene Deutschrocker sagt: "Die Lieder des neuen Albums haben alle von der neuen Beziehung Kraft geschöpft. Elixier ist ein Song von mir für Gabi, wie es Woman von John Lennon für Yoko Ono war." Andere Lieder seien in der Grundstimmung sehr von Gabi geprägt. "Auch das Schmunzeln, das Augenzwinkern, das Lockere in den Texten hat viel mit dieser Beziehung zu tun, vieles auf dem Album kam aus der Hüfte und ist deshalb nicht so norddeutsch vergrübelt."

Ende Januar kommt Protest auf den Markt, Ende April gehen Kunze Verstärkung auf Club-Tournee, am 28. April spielen sie in Kiel. "Und weil diese Platte eine gewisse Aufbruchstimmung hat und die Songs sehr auf die Menschen zugehen, werden sie vielen gefallen", sagt Kunze. "Im Idealfall bringen meine alten Fans ihre Kinder mit zu den Konzerten."

Was man vom weltpolitischen Mahner Kunze nicht hören wird, sind parteipolitische Statements. "Früher war ich SPD-Mitglied und bin ausgetreten, weil ich es nicht ertragen habe, wie die Partei mit Björn Engholm umgegangen ist", erzählt er. Er war ein Bewunderer Willy Brandts, und später spielte er auch mal auf einer Veranstaltung des SPD-Ministers Wolfgang Clement (auf der er übrigens auch Gabriele kennenlernte).

Aber ebenso unterstützte er den CDU-Politiker und niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff im Wahlkampf. Kunze: "Ich bin mit einigen Politikern vieler Parteien befreundet, ich lege mich da nicht mehr fest." Und bezeichnet sich selbst als Wertkonservativen. "Aber das würde Gregor Gysi für sich vielleicht auch propagieren", sagt der Rocksänger über den Linkspolitiker. Und grinst dabei.

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