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Kultur Geschichte kann so spannend sein
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14:51 27.10.2018
Von Thomas Richter
David Kokocinski-Henke, Eveline Havertz (Bühnenbild), Jörg Diekneite (Regie), Taskin Tavas. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Bereits vor zehn Jahren erlebte das von Robert Habeck und Andrea Paluch für das Theater Kiel geschriebene Stück "1918" seine Uraufführung. Damals diente die alte Maschinenhalle auf dem Wiker Marinegelände als Schauplatz für die dramatischen Ereignisse vom November 1918. Um den Zeitgeist im letzten Kriegsherbst wiederzugeben, der dann zur Revolte führte, wurden in den zahlreichen Räumen  im Erd- und Kellergeschoss – gewissermaßen als Vorspiel - assoziative Szenen gespielt und authentische Texte vorgetragen. Das eigentliche Stück spielte anschließend im Hauptraum.

Für seine Lesart des Stoffes, den Wolfgang Börnsen exzellent ins Niederdeutsche übertragen hat, vertraut Regisseur Diekneite allein der in einer sprachlichen Mischung aus Hoch- und Niederdeutsch auf die Bühne gebrachten Handlungsebene. Im Mittelpunkt steht der politische Konflikt zwischen dem SPD-Reichstagsabgeordneten Gustav Noske (Markus Laurenat) und Fritz Kemp (Thore Baumgarten), dem ebenso idealistischen wie fanatischen Anführer jener ungeheuerlichen Revolte von Matrosen und Arbeitern gegen die Militärführung, gegen die Regierung und den Kaiser. (Kemp ist übrigens der historischen Figur des Karl Artelt nachempfunden).

Extrem dichte Atmosphäre

Noske will vermitteln, Fritz will auf die Barrikaden. Diese existentielle Krise wird im Theater am Wilhelmplatz mit einer schon äußerlich brillanten Ästhetik erzählt. Das prägnante und funktionale Bühnenbild von Eveline Havertz schafft unter Einbeziehung eines Drehelements und des Zuschauerraums im Einklang mit fantastischem Licht sowie Video-Projektionen und Sound-Effekten von Frank Scheewe eine extrem dichte Atmosphäre. Gerade so, als würde das Geschehen in einer uralten Fotografie stattfinden. Aber genau vor diesem „Hintergrund“ entwickelt das Spiel der restlos überzeugenden Darsteller so viel Feuer. Damals lag eben etwas in der Luft. Und die war ziemlich aufgeheizt.

Dazu passt auch, dass Diekneite den episodischen Charakter der Vorlage zwar bedient, und so ein Klima der ständigen Ruhelosigkeit schafft. Andererseits gelingt es  ihm, einzelne Handlungsstränge so zu isolieren, dass dem Zuschauer verschiedene Identifikationsfiguren angeboten werden, die stellvertretend für die Komplexität der Ereignisse und persönlichen Konsequenzen stehen.

Gewaltiger Applaus nach dem Stück

Geschichte kann so spannend sein. Das fand auch das gebannte Publikum im restlos ausverkauften Haus und bedankte sich mit gewaltigem Applaus.

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