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Kultur Wenn der Krieg im Krieg ausbricht
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06:15 12.02.2019
Von Sabine Tholund
Eindrucksvolle Erzählerin: Nino Haratischwili als Gast des Literaturhauses Schleswig-Holstein in der Kieler Kunsthalle. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Haratischwili erzählt darin die Geschichte eines russischen Ex-Generals, eigentlich ein feinsinniger Mann, der während des Tschetschenienkrieges gemeinsam mit seinen Männern ein 17-jähriges Mädchen vergewaltigte und tötete. Zwölf Jahre sind seitdem vergangen, der General hat es zu beträchtlichem Reichtum gebracht und sich in Berlin ein neues Leben aufgebaut. Doch das Vergangene lässt ihn nicht los – vor allem, als er die „Katze“ trifft, eine junge Schauspielerin mit georgischen Wurzeln, die dem Opfer von damals verblüffend ähnlich sieht.

Thrillerqualität bescheinigt Moderator Kai Jürgens dem „bildmächtigen, sprachgewaltigen“ Roman, der von Schuld und Sühne handelt und von der Unmöglichkeit, mit dem Krieg „fertig zu werden“. Der erste Krieg in Tschetschenien (1994-1996), Nachbarland ihres Heimatlandes Georgien, war noch nicht zu Ende, als Nino Haratischwili im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland kam. Zwei Jahre später ging sie zurück, studierte später Film und Regie in Tiflis. Seit 2003 lebt sie in Hamburg, wo sie 2007 ein zweites Studium der Theaterregie abschloss.

Ihr jüngster Roman geht unter anderem auf eine intensive Beschäftigung mit der russischen Journalistin Anna Politowskaja zurück, die 2006 in Moskau ermordet wurde. „Sie war ein Sprachrohr für die Tschetschenienkriege“, so die Autorin.

Bei ihren Recherchen stieß sie auf jenen realen Vorfall, der ihrem Roman zugrunde liegt: Eine Gruppe von Soldaten, die sich im Kaukasus von den Kampfhandlungen erholen sollen, stürmen irgendwann ein Dorf, foltern, vergewaltigen und morden.

„Traumatisiert vom Inferno der eigenen Kriegserfahrungen, haben sie in der Idylle des Dorfes einen Krieg im Krieg inszeniert. Es waren ganz normale Männer. Sie sollten Normalität leben und konnten sie nicht aushalten“, sagt Haratischwili. „Mir stellte sich die Frage: Was veranlasst junge Männer zu diesen Taten? Und wie schmal ist der Grat zwischen Unschuld und Tätertum?“

Nino Haratischwili: Die Katze und der General. Roman Frankfurter Verlagsanstalt, 750 Seiten, 30 Euro

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