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Kultur Kämpfe und Sehnsüchte im Bild
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18:00 08.08.2013
Die überlebensgroße Figur einer Madonna und ein malerischer Sonnenuntergang über dem Meer - schon während des Aufbaus fallen zwei markante Elemente im Bühnenraum auf. Quelle: Struck
Kiel

Gemächer im Schloss, eine Schlucht in den Bergen, der Kreuzgang eines Klosters, das Lager vor einer Festung, ein finsterer Kerker - schlagartig springt die Handlung in Verdis Oper Il trovatore von einem der acht Schauplätze zum nächsten. „Man müsste schneiden können wie beim Film oder Blenden schaffen“, sagt Norbert Ziermann. Beides aber ist dem langjährigen Ausstattungsleiter des Kieler Musiktheaters auf dem Rathausplatz verwehrt.

„Wir mussten grundsätzlich einen Raum herstellen, der technisch funktioniert und gleichzeitig atmosphärisch stimmt“, formuliert Ziermann die besondere Herausforderung. Lösungen suchte er in der Geschichte selbst, die voller Kontraste steckt: Rivalität, Rache, politische Feindschaft, und Eifersucht, aber eben auch Leidenschaft, Sehnsucht, Liebe? „Es galt also, einerseits einen Platz für Kämpfe zu finden und im Gegensatz dazu einen Rückzugsort, an dem Träume möglich werden“, erklärt der Bühnenbildner. So darf sich der Zuschauer auf der unteren Fläche einen Treffpunkt für kriegerische Auseinandersetzungen vorstellen, oben eine Ebene der ungestörten Ruhe. Lichtwechseln führen dann zu veränderten Schauplätzen.

Die überlebensgroße Figur einer Madonna und ein malerischer Sonnenuntergang über dem Meer - schon während des Aufbaus fallen zwei markante Elemente im Bühnenraum auf. „Beides hat mit Eindrücken aus Spanien zu tun“, erläutert Ziermann und denkt dabei an strenge Frömmigkeit und weit verbreitete romantische Urlaubserinnerungen. Aber das Standbild und das Panorama seien beschädigt. „So wie der ganze Ort, so wie wir ihn zeigen, nicht mehr das ist, was er einmal war.“ Brüche und Schäden werden sichtbar, denn schließlich handle Verdis Il trovatore vor allem von Schrecken und zerstörten Sehnsüchten.

„Natürlich werden wir die ganze Opulenz, die von einer großen Oper erwartet wird, bedienen“, kündigt Norbert Ziermann an. Pure Schauerromantik möchte er aber mit seinen Räumen so wenig erzeugen wie historische Distanz. Zusammen mit Regisseur Daniel Karasek sucht der Bühnenbildner eher eine heutige Sicht, erlaubt sich jedoch „ab und zu kleine Ausflüge in die Welt von Fantasy“.

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