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Von Liebe und Lügen

Nordische Filmtage Von Liebe und Lügen

Von Liebe, Lügen und den Schwierigkeiten, als Paar oder in der Familie zurecht zu kommen, erzählt das Wettbewerbsprogramm, in dem 19 Spielfilme um den mit 12.500 Euro dotierten NDR-Filmpreis und den Publikumspreis konkurrieren, die heute im Theater Lübeck vergeben werden.

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Szene aus dem Dokumentarfilm "Amateurs in Space" mit Madsen.

Quelle: kinofreund eG 2017, One-Filmverleih/ / DFI

Lübeck. Und sie tun es auf vielfältige Weise. "Der Charmeur" etwa verpackt es in die Geschichte von Esmail, der allabendlich in einer Bar auf Brautschau geht. Eine Frau soll ihm zum Bleiberecht in Dänemark verhelfen. Wie sich der Flüchtling dann ausgerechnet in Sara verliebt und damit in die Zwänge und Konventionen der persischen Gemeinde in Kopenhagen gerät, ist nur eine der Verwicklungen, in die Milad Alami seinen Helden zwischen allen Welten stürzt.

Ist ein Baum ein Baum?

In Island, das erfährt man in der Spätvorstellung am Donnerstag, ist ein Baum nicht nur ein Baum. "Er ist ein Freund, ein Bruder", sagt Regisseur Hafstein Gunnar Sigurdsson. "Auf Island gibt es nicht so viele davon - und wer einen im Garten hat, entwickelt eine persönliche Beziehung dazu." Dass die auch ihre Schattenseiten hat, zeigt der Isländer im Film "Unter dem Baum". Dabei geht es eigentlich viel mehr um die Unmöglichkeit, eine zerbrochene Familie zu kitten, um eine trauernde Mutter und unerfüllten Kinderwunsch. Und der Baum im Garten von Inga und Baldvin ist nur die Spitze des Eisberges aus Trauer, Animositäten und unerfüllten Sehnsüchten. Reichlich Psychodrama, das Sigurdsson in einer erstaunlichen Wendung in einem veritablen Splatter-Showdown eskalieren lässt.

Als schwule Liebesgeschichte zwischen einem syrischen Einwanderer und dem jungen Leevi, der sich in Paris freier fühlt als in der finnischen Provinz, nimmt Mikko Makela in "Ein Moment im Schilf" das Thema auf. Da stehen sinnliche Sexszenen und teils am Kitsch balancierende Bilder dem Nachdenken über das Fehlen der gemeinsamen Sprache gegenüber. Nicht nur zwischen den jungen Männern, auch zwischen Leevi und seinem Vater. Und so erweisen sich die Migrationsgeschichten als spannendes Treibmittel für die Beobachtung der Gesellschaft. 

Zwischen "Mad Max" und "Alice im Wunderland"

Max Kestner, in der Sparte Dokumentarfilm mit "Amateurs in Space" zu sehen, kehrt in seinem Spielfilmdebüt die politische Dimension heraus. Sein Science Fiction Film "QEDA" entwirft irgendwo zwischen "Mad Max" und "Alice im Wunderland" die düstere Zukunftsvision einer im Salzwasser ertrunkenen Welt und eines Helden, der eine Hälfte seines Selbst in die Vergangenheit schickt, um die sterbenskranke Tochter zu retten. Eine nachdenkliche und poetische Variante des Zeitreise-Motivs. Ein bisschen Hollywood bringt außerdem Nikolaj Coster-Waldau (Game of Thrones) als Hauptdarsteller im Thriller "Drei Dinge" ins Spiel. Aber trotz großer Besetzung bleibt das Szenario von Jens Dahl, Drehbuchautor von "The Pusher", zwischen serbischer Mafia und Kopenhagener Justiz ein kalkuliertes Reißbrettspiel.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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